Einige Gedichte von Jutta Hinz

 

Einige Gedichte  von Jutta Hinz

 

Jagd-Passion


Ich gehe gern in Feld und Wald
Über Wiesen, an den See.

Doch Wehmut und Trauer erfasst mich bald
Wenn ich die Lustmordstände seh!

Überall und allerorten stöbern 65 Jäger
Schweine , Rehe zu ermorden
Tief in Waldesstille ein-
Üben Terror -  keine Heger
Sondern wilde Horden
Zahlen gern die Kasse ein.

Welch ungleiches Tun am wehrlosen Tier
Und ich entschuldige mich dafür...

Tiefbeschämt...

Jutta Hinz

 

 

 

 

Abschied

Mein Feldhase –der über die Zäune sprang
Ließ gern ihn frei
Nun liegt er krank.
Den Kopf auf die Seite
Als schliefe er
Bracht ihm Wermut und Wasser
Doch er nahm nichts mehr.

Mein Feldhase hat ein and’res Gesicht
Wo ist der Liebreiz, der dort strahlte?
Nur das kecke Ohrbüschelgedicht
Erinnert an sein Lebenslicht.

Ich trug ihm auf zu grüßen
Die Vertrauten im anderen Land
Tränen erdrückten Gedanken
Er hob den Kopf
Er verstand!  

Jutta Hinz

 

Alles für’s Geld

Gelder locken.
Enten, Gänse stehen trocken
Dichtgedrängt auf welkem Land.

Sonnenglut fällt prall hernieder.
Das einst strahlende Gefieder
Liegt verstaubt im heißen Sand.

Einem Segen gleicht der Regen,
flüsternde wohlige Schauer
Lösen sie aus matter Trauer.

Das Element versickert rasch.
Stinkender Matsch bleibt zurück.
Verwehrt durch den Menschen:
artgewolltes Glück.

Der Mensch bringt Futter am Abend,
gibt ihnen Wasser -
wie wohl das tut!
Zufrieden ist er - „die fressen doch gut!“

Beschränktes Sein dem kurzen Leben.
Der Mensch erhält sein Geld.
Gewonnen aus Qual -
Der Tiere Hohn!

Und einmal klemmen sie dann bang
In engen Käfigen aus Draht:
Gebrochene Glieder, Hunger und Durst
Viele, viele Stunden lang.

Kein Futter, kein Wasser.
Nur Hitze und Nacht.
Und schreiend durch’s Messer,
das den hängenden Tieren
es geht wohl nicht besser -
ihr zweckerfülltes Ende macht.

Jutta Hinz

 

An das Gewissen

Novalis sagte:“ Mensch werden ist eine Kunst!“
Ich sage: „Die Art Mensch tötet solange, bis sie Mensch geworden ist!“
Er schlachtet -
Angstschreie dringen zum Himmel.
Doch wir tun so,
Als wäre es ganz normal
Und richtig so und
als ginge uns das nichts an!
Das Furchtbare wird verdrängt.
Davon wollen wir nichts wissen.
Uns könnte ja
Das Fleisch nicht mehr schmecken.
Welch ein Nachteil
Für uns Menschen.
Aber es ist Unrecht!
Und so lebt der Mensch,
so fern der Menschlichkeit
in der Schuld des Verbrechens.

Jutta Hinz

 

 

Geteiltes Entsetzen


Ich hab es nicht gesehen
Doch deutlich gespürt.
Es lag in der Luft:
Angst, Entsetzen, Tod.

Alles war spürbar im Straßengeruch:
Das Treiben mit Gewalt
In Häuser voller Grauen.
Laute und lautlose Schreie,
irre Flucht – aussichtslos!
Wille zum Leben,
dunst von Blut und Innereien,
treffen mein hilfloses Ich –

eine Frau aß Kirschen
aus einer Tüte
teilnahmslos.
Sie spürte gar nichts.
Es ließ sie unberührt.

Doch ich war im Sog des Entsetzens.
Meine Seele bei den Seelen der Tiere,
deren Fleisch zerschnitten wird –
im Schlachthof.

Jutta Hinz