Saarland: Der totale Krieg den Wildschweinen


Die saarländische Landesregierung erklärt erneut den Wildschweinen den Krieg! Auf Grund der rasanten Entwicklung der Wildschweinbestände, will Anke Rehlinger, Ministerin für Umwelt und Verbraucherschutz, die Jagd intensivieren, teils mit fragwürdigen Methoden bis hin zur Jagd ind er Nacht mit Lichtquellen und Nachtsichtgeräten. Also der totale Krieg!

Es ist inzwischen hinlänglich bekannt, dass eben erst die Jagd an sich diese erhöhte Wildschweinpopulation provoziert. Das Resultat ist der Mords-Spaß für die Jäger, die ihr Kriegsspiel und ihr abseitiges Hobby rechtfertigen und sich noch als der Retter der durch die Wildschweine geplagten hinstellen können. Ein perverses Szenario.

Die Pläne der Ministerin Rehlinger ignorieren alle wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Einfluss der Jagd auf die Populationsentwicklung bei Wildschweinen und ignoriert gleichermaßen die Erkenntnisse von Jagdexperten.

Dazu exemplarisch zwei Expertenmeinungen:

·    Eine Langzeitstudie, die im renommierten „Journal of Animal Ecology" veröffentlicht wurde, kommt zu dem Ergebnis: Starke Bejagung führt zu einer deutlich höheren Fortpflanzung und stimuliert die Fruchtbarkeit bei Wildschweinen (vgl. Servanty et al, Journal of Animal Ecology, 2009).

·    Norbert Happ, Jäger und Wildschweinkenner, prangert an: „Die Nachwuchsschwemme ist hausgemacht“. Für die explosionsartige Vermehrung der Wildschweine seien die Jäger selbst verantwortlich: „Ungeordnete Sozialverhältnisse im Schwarzwildbestand mit unkoordiniertem Frischen und Rauschen und unkontrollierbarer Kindervermehrung sind ausschließlich der Jagdausübung anzulasten“ („Wild und Hund“ 23/2002). Das bedeutet: Jagd löst keine ökologischen Probleme, sondern schafft sie erst.

Somit muss angenommen werden, dass der im Bundesjagdgesetz festgeschriebene Hegeauftrag bzw. die Wildschadensvermeidung nicht die wirkliche Motivation für die geplante Jagdintensivierung auf Schwarzwild im Saarland sein kann. Vielmehr haben die Jäger schon jetzt ihren Hegeauftrag genaugnommen verfehlt.

Dabei darf auch nicht folgender Aspekt aus dem Auge verloren werden:
Der Jagd sind jedoch durch das Tierschutzgesetz Grenzen gesetzt, wenn dies auch selten thematisiert wird und nicht auf den ersten Blick offensichtlich erscheint.
Das Tierschutzgesetz erlaubt die Tötung von Wirbeltieren nur aus vernünftigem Grund. Der vernünftige Grund wird im Falle der Jagd mit der Nahrungsmittelbeschaffung, der Wildbestandserhaltung, der Wildschadensverhütung sowie der Natur- und Landschaftspflege begründet. Wie oben ausgeführt laufen Ihre Pläne jedoch allen diesen vernünftigen Gründe zuwider, wenn davon ausgegangen wird, dass auch die Nahrungsmittelbeschaffung nicht Ihre Motivation darstellt.

Vielmehr kann davon ausgegangen werden, dass die anvisierten Jagdmethoden zu einer zunehmenden Beunruhigung und Hetze der Tiere führt, was neben den negativen Auswirkungen auf den Wildbestand auch noch ein zunehmendes Gefährdungspotential für die Bevölkerung darstellt, bspw. Durch Provokation von Wildunfällen zur Dämmerungs-/Nachtzeit. Weiter ist anzumerken, dass durch die Störung der sozialen Strukturen und die Versprengung der Tiere ein negativer Einfluss in Bezug auf Wildtierkrankheiten (bspw. Schweinepest) eintreten kann.

Somit muss jede sachlich fundierte Betrachtung dieses Vorhabens zu der Erkenntnis der Widersinnigkeit führen.

Es ist davon auszugehen, dass das neue Jagdkonzept durch Jäger direkt oder indirekt initiiert ist. Somit kann man dem Ministerium noch wohlwollend die fehlende Erörterung dieser Sachverhalte unterstellen, würde sonst die Beurteilung dahingehend ausfallen müssen, dass durch die geplante Verordnung die Jagd um ihrer selbst Willen bzw. des Jagderlebisses Willen gefördert werden soll. Also ein Vorhaben, was sowohl dem Tierschutz- als auch dem Jagdgesetz zuwider läuft.

Dazu ist anzumerken, dass die Jagd selbst nicht einen vernünftigen Grund zur Tötung von Wirbeltieren darstellt, auch nicht, wenn der Aspekt der Nahrungsmittelbeschaffung als sekundäre Rechfertigung eintritt. Das geht aus dem geltenden Tierschutzgesetz und dessen Kommentierung hervor (bspw. Lorz/Metzger, TierSchG § 1 Anh., Rdn. 21, § 17 Rnd. 19).

Unter diesen rechtlichen Gesichtspunkten gilt es eben nun, die Vorhaben des saarländischen Ministeriums und besonders die Aktivitäten der Jäger im Auge zu behalten. Ethisch und moralisch geben sich beide Gruppen schon alleine mit dem vorliegenden Papier eine Bankrotterklärung. (hho)

 

Lesen Sie dazu die "Gemeinsamen Handlungsempfehlungen für die Bejagung des Schwarzwildes im Jagdjahr 2013/2014"

Weitere Informationen unter:  http://www.tvg-saar-vegan.de/themen/jagd/totale-kriegserkl%C3%A4rung-gegen-wildschweine/