Sind Jäger Rassisten?

Dass Jäger ein tief gestörtes Verhältnis zu Tieren haben, welches partiell als krankhaft bezeichnet werden kann, wurde schon oft und ausführlich erörtert. Genauso ausführlich wurde erörtert, welchen  Stellenwert die totale Machtausübung über Leben und Tod im Charakter eines Jägers hat.
Erschreckend scheint mir darüber hinaus aber die Tatsache, dass in der lodengrünen Fraktion ein tief verwurzelter Rassismus und eine Fremdenfeindlichkeit in Bezug auf Tiere zu erkennen sind.
Tiere, die zuwandern – in der Fachsprache Neozoen genannt –, stehen auf der Abschussliste ganz oben. Denken wir stellvertretend nur an die Kormorane aus Donauregionen oder die Waschbären aus Nordamerika. Es wird immer wieder betont, dass diese Tiere hier nicht heimisch sind und hier nichts zu suchen hätten, heimische Tierarten verdrängen würden und somit in den Augen der Jäger ausrottungswürdig werden. Deutschland also nur für einheimische Tiere, deutsches Land für deutsche Tiere?
Der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz jammert in einer Pressemeldung darüber, dass Nilgänse die Störche auf den Ländereien des Verbandes vertreiben würden (http://www.ljv-rlp.de/PI_Keine_Storche.pdf). Die Tiere würden sich in der Brutzeit sehr territorial verhalten und keine Störche, Enten usw. in ihrem Brutgebiet dulden und sie hätten – man stelle sich diese Unverfrorenheit der Gänse vor – die von den Landesjägern eingerichteten Storchennester okkupiert, wo sich doch die Mitglieder des Landesjagdverbandes jährlich an den Störchen erfreuen würden und jetzt, wegen dieser Gänsefrechheit, ganz traurig seien.
Hat eine Gans also kein Brut- und Lebensrecht? Ist einem Storch mehr „Erfreuungswert“ als eine Gans beizumessen? Oder wird der Gans der Zusatz „Nil“ zum Verhängnis?
Aber die Jäger sind nicht nur wegen der abgewanderten Störche traurig. Sie sind auch traurig, dass sie nicht zur Flinte greifen dürfen, um den Platz für die Störche freizuschießen. Die Gesetzgebung einer – in den Augen der Jäger ideologisch verblendeten grünen Umweltministerin – nehme ihnen zuletzt sogar noch diese Chance sich zu vergnügen.

Es ist schwer erträglich, solche Pressemeldungen zu lesen und um nicht gleichfalls in Trauer, nämlich in die Trauer vor dem erschreckenden Analphabetismus des Geistes, zu verfallen.
Denkt man dieses Verhalten, welches hier von den Jägern in Bezug auf Tiere an den Tag gelegt wird, weiter, läuft einem ein gewisses Schaudern über den Rücken.
Es gelten in ihren Gedankenstrukturen also für zuwandernde Tiere exakt die entgegengesetzten Regeln wie für zuwandernde Menschen.
Zuwanderer sind im Tierreich zu liquidieren, menschliche Zuwanderer, in der Fachsprache als Migranten tituliert, werden hingegen akzeptiert und bereichern – je nach Sichtweise – die eine oder andere Facette einer Multi-Kulti-Gesellschaft. Es liegt also die begründete Vermutung nahe, dass man versucht, an den Tieren das Gedankengut auszuleben, was auf Grund seiner faschistoiden Herkunft in der heutigen Menschenwelt zum Glück keine gesellschaftliche Akzeptanz findet. Schlagzeilen wie „Zuwanderer nehmen uns Arbeitsplätze weg“, „Sozialschmarotzer“ usw. kommen einem in den Sinn, Parolen, die von einer tumben Boulevardpresse und an  Stammtischen gern verbreitet werden.
Neozoen und Migranten, zwei Begriffe für unterschiedliche Spezies, zwei Begriffe für konträre Regeln ihrer Existenzbeurteilung und Existenzberechtigung, ein Lehrstück aus der organisierten Schizophrenie kleinkariertester Weltanschauung, eine Weltanschauung, die zwischen Kimme und Korn ihre geistige Quelle hat. (hho)