Im Abschussrausch - zehn Millionen getötete Wildtiere jedes Jahr Drucken E-Mail


Die so genannte „Jahresstrecke“, also die Anzahl der vom Deutschen Jagdschutzverband (DJV) gemeldeten jährlich getöteten Wildtiere ist nach Einschätzung von www.wildtierschutz-deutschland.de, einer Tierschutzinitiative mit Schwerpunkt Jagd, vollkommen falsch und untertrieben.

Die Statistik des Jagdverbandes gibt für das Jagdjahr 2008/09 etwas über fünf Millionen im Rahmen der Jagd getöteter Wildtiere an. Schon das ist eine unglaublich hohe Anzahl, wenn man bedenkt, dass nur ein kleiner Teil dieser Tiere überhaupt - zum Beispiel als Wildbret - „verwertet“ wird. Der Großteil der getöteten Tiere wird einfach entsorgt.

Die Wahrheit sieht viel schlimmer aus: ‘zigtausende Enten, Füchse, Bodenbrüter werden alljährlich im Rahmen der Jagdhundeausbildung getötet. Die Trefferquoten bei Bewegungsjagden (das Wild wird aufgescheucht und auf der Flucht erschossen) sind ausgesprochen gering. Dabei wird der weitaus größte Teil der Tiere nur verletzt und nicht aufgefunden. Diese Tiere verenden oft qualvoll nach Stunden oder Tagen. Bei der Jagd auf Wasservögel wird durch die breite Streuwirkung des Schrots ein weitaus größerer Teil der Tiere „nur“ verletzt und nicht getötet.

Umweltverbände gehen davon aus, dass jährlich etwa 2.000-4.000 Tonnen Blei in Deutschland verschossen werden. Das führt nicht nur zur Vergiftung von Böden und Gewässern, es führt auch dazu, dass bis zu 300.000 Tiere durch die Aufnahme von Blei beim Gründeln oder über die Nahrung den Gifttod sterben, darunter immer wieder der Seeadler. In den USA, den Niederlanden, Dänemark und Schweden ist die Verwendung von bleihaltiger Munition längst untersagt.

Einige hunderttausend Vögel, darunter Kormoran, Blässhuhn, Höckerschwan und Eichelhäher und ebenso Hunde und Katzen werden von vornherein nicht oder nicht systematisch erfasst und ein weiterer signifikanter Anteil wird aus Bequemlichkeit oder wegen des administrativen Aufwands nicht gemeldet.

Insgesamt dürften so in Deutschland ohne Übertreibung etwa 10 Millionen Tiere jährlich der Jagd zum Opfer fallen – das sind 28.000 Tiere pro Tag! Der Sinn insbesondere der Hobby-Jagd ist nicht nur heftig umstritten, es gibt auch zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen, die zu dem Ergebnis kommen, dass die Jagd zur Bestandsregulierung - und diese wird als Hauptargument der Jagd vorgebracht - nicht erforderlich ist. Wissenschaftler habe sogar nachgewiesen, dass die Jagd hinsichtlich der Bestandsregulierung teilweise kontraproduktiv ist und zum Beispiel bei Fuchs und Schwarzwild zu erhöhter Fortpflanzungsdynamik führt.

Nun wäre auch die von www.jagdaberfair.de erstellte "Jahresstrecke" nicht vollständig, ohne die Menschen zu erwähnen, die durch die Jagd umkommen oder verletzt werden. Bei Jagdunfällen werden im langjährigen Jahresdurchschnitt etwa 40 Menschen pro Jahr getötet und einige Hundert verletzt. Weitere 40 Personen werden bei Wildunfällen getötet und mehrere Tausend verletzt. Die hohe Anzahl der Wildunfälle (allein über 200.000 mit Rehen) ist eine direkte Folge der sogenannten Hege dieser beliebten Trophäenträger.

 

jagdstrecke_2009.jpg

1) Statistik des DJV über die Jahresstrecke                                               
2) F. Werner "Was Jäger verschweigen", u.a.20 Enten pro Jagdhund (5.000 pro Jahr); Hasenspur: Ausbildung im Frühjahr geht einher mit erheblicher Störung der Jungenaufzucht. Baujagd-Ausbildung Füchse, geschätzt.                                                    
3) Blattschussquote bei Bewegungsjagden 25-30%. "Unsere Jagd" Sonderdruck 2008 "Wildbrethygiene".  Zahlen inkl. nicht gemeldeten Fallwilds (Unfälle bei Trunkenheit). Geringe Treffergenauigkeit bei Jagd in der Dämmerung und nachts.  Bei Schrotschüssen in Vogelschwärme (Gänse, Enten, Tauben) werden im Durchschnitt auf ein totes Tier etwa 4 weitere verletzt.  
4) Beutegreifer, Greifvögel durch Nahrungsaufnahme, Wasservögel durch  Aufnahme von Schrotkörnern bei der Nahrungsaufnahme.                                                
5) Kölner Stadtanzeiger vom 15.03.2011 zitiert den Hegeringleiter Jütten aus Hellenthal: „Es ist schier unmöglich, mit korrekten Zahlen aufzuwarten.“ Manche der Jäger hätten gar keine Streckenzahlen zur Verfügung gestellt, andere wiederum hätten Zahlen geliefert, die vollkommen unrealistisch und wenig Vertrauen erweckend seien. Jütten: „Weiß der Geier, wo solche Zahlen herkommen.“  
6) Kormoran, Graureiher, Möwe, Bläßhuhn, Höckerschwan, Elster, Rabenkrähe, Eichelhäher,  u.a.. Quelle DJV-Handbuch 2006.                                                       
7) Schalenwild inklusive Fallwild                                                     
8) Die Anzahl erfasster Wildkaninchen ist unrealistisch a) im Vergleich zur der Anzahl getöteter Hasen,  b) im Vergleich z.B. zum Jahr 1991/1992, damals wurden noch über 860.000 tote Kaninchen erfasst.    

Quelle: www.wildtierschutz-deutschland.de / Lovis Kauertz

 

 


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Die Menschenrechte regeln die Beziehungen der Menschen untereinander und beschreiben einen globalen idealisierten Sollzustand für die Gattung Mensch. Sie betrachten den Mensch als isolierte Einheit, denn eine Verbindung zur übrigen Natur und den anderen Lebewesen wird in der Konvention ausgeklammert.
Die Präambel der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ (Resolution 217 A (III) der Generalversammlung vom 10. Dezember 1948, vom Vatikan nicht unterschrieben!) spricht von angeborener Würde des Menschen, einer Würde, in deren Genuss das Individuum zufällig durch Geburt und durch eine Laune der Natur gelangt mit der Folge, dass ein angeborenes Faktum dauerhaft wirkt und vom Geburtsmoment bis zur Todesstunde vorhanden ist. Ein Bemühen, Erlernen oder ein Streben nach diesem Kriterium ist infolgedessen nicht notwendig, ein Verlust darüber hinaus ausgeschlossen.
Es ist zu fragen, was unter dem in dieser Erklärung undefinierten und nebulös-schwammigen Begriff der Würde zu verstehen ist

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