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Offener Brief: Kirche verweigert Gespräch mit Tierschutz
vom 7. Juli 2008
an Dr. Wiesemann, Bischof zu Speyer

(Der Gesamte Schriftwechsel hier auch als PDF !)



Sehr geehrter Herr Dr. Wiesemann

Die zweizeilige Antwort auf unser Gesprächsangebot durch Ihren Sekretär ohne  Begründung der Ablehnung ist eine Unhöflichkeit, die im Schriftverkehr Seltenheitswert hat. Aber das sind Nebensächlichkeiten, es sind nur Stilfragen, die auf Sie zurückfallen.

Was aber bleibt, ist die Feststellung, dass ein konstruktives Gespräch von Ihnen und Ihrer Kirche nicht gewünscht wird. Dies kann eigentlich nur zwei Gründe haben.

Entweder ist Ihnen die Problematik unbekannt, dann bleibt die Frage, warum wollen Sie es nicht wissen und spricht deutlich gegen Ihren Erkenntniswillen.

Oder Sie kennen das Thema, dann ergibt sich die Frage, warum wollen Sie nicht handeln, der leidenden Kreatur ihre Stimme geben. Es ist dann eine entsetzliche Charaktereigenschaft, sich bewusst und kritiklos auf die Seite derjenigen zu stellen, deren Hobby und Handwerk Tod, Leid, Angst und Vernichtung den nichtmenschlichen Tieren bringt.

„Quousque tandem abutere Catilina patientia nostra“ schleuderte Cicero dem Verschwörer Catilina entgegen. Wie lange wollen Sie, Herr Wiesemann, noch die Geduld der Menschen missbrauchen und den Tiermord, das Tierelend schweigend ignorieren, schweigend aussitzen und sanktionieren? Hören Sie nicht das Todesröcheln der gequälten Kreatur? Sehen Sie nicht das Leiden der Ärmsten der Armen? Ist Ihr Glaube wirklich so mitleidlos, so gefühllos, so lebensverachtend gegenüber der Tierwelt, so archaisch selbstherrlich ohne den Anflug von Selbstzweifeln?
Warum reihen Sie sich kritiklos in die Tradition und Geschichte Ihrer Kirche , ihrer Lehre, ihres Glaubens ein und ergreifen nicht die ausgestreckte Hand?

Sind Ihnen alle Textstellen des alten Testaments entfallen, die zum Genozid, zum Mord, zur exzessiven Anwendung der Todesstrafe aufrufen?

Ist Ihnen die blutige Geschichte der Catholica entfallen, der Irrsinn der Glaubensbarbarei durch zwanzig Jahrhunderte? Der durch Ihre Kirche ausgelöste millionenfache Mord an paganen Völkern, die Schlächtereien
der Kreuzzüge, Ketzerverbrennungen und der Massenmord an den Ureinwohnern Südamerikas?

Ist Ihnen entfallen, wie Ihre Kirche mit freien Geistern umging, wie ein Giordano Bruno verbrannt, einem Vanini die Zunge herausgerissen wurde,  bevor auch er verbrannt wurde?

Muss die Kirche, das Christentum schlechthin, wirklich diese Verbrechen noch durch das schwärzeste aller Verbrechen, die millionenfach geduldete Hinschlachtung unschuldiger Tierleben, krönen statt die vielfach gepredigte Demut zu üben, die Nächstenliebe vorbildlich zu leben? Gilt Ihre Predigt immer nur den Anderen, sprechen Sie grundsätzlich nicht pro domo?

Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass 40 Milliarden Tiere jährlich dem menschlichen Konsum weltweit zum Opfer fallen, dass allein in Deutschland 5,5 Millionen Wildtiere von Jägern erschlagen, vergiftet und erschossen werden?
Warum fehlt Ihnen die Kraft, sich mit anderem Gedankengut auseinanderzusetzen, sich mit Kritikern zu einem Konsens durchzuringen?

Macht Ihr Glaube überheblich oder darf er die Luft der freien Vernunft nicht atmen?

„Descende, descende“ rief der große Kaiser Heinrich IV, der in Ihrem Dom begraben liegt, seinem Widersacher, dem römischen Papst Gregor VII zu. Steigen Sie, Herr Wiesemann, endlich herab von Ihrer Mitleidlosigkeit und Gnadenlosigkeit gegenüber nichtmenschlichen Tieren, steigen Sie herab von dem Wahn, einem „liebenden“ Gott dadurch zu dienen und zu loben, dass Sie den Massenmord an der Tierwelt sanktionieren, das Töten schweigend übergehen.

Der Fluch dieser Verbrechen liegt auf Ihnen persönlich und auf Ihrer Kirche! Die Angst, das Leid , der Schmerz und die Qual dieser Wesen fällt auf Sie zurück! Wie können Sie nur damit leben, ein Mensch, der täglich Barmherzigkeit den Menschen predigt und zu diesem apokalyptischen Grauen schweigt?

Descende, descende!

Dr. Gunter Bleibohm                          Harald Hoos

 


Unser erstes Schreiben an Herrn Bischof Dr. Wiesemann vom 18. Juni 2008:

 

Hubertusmessen im Bistum Speyer

Sehr geehrter Herr Dr. Wiesemann,

jährlich werden von in Deutschland ca. 5,5 Millionen Wildtiere von Jägern in Fallen gefangen, vergiftet, erschlagen und erschossen, ohne daß dem eine Überlebensnotwendigkeit für den  Menschen gegenübersteht. Ein Großteil der Tiere verendet unter unsäglichen Qualen, da der Anteil der Fehlschüsse erheblich ist.

Desweiteren sind ca. 95 % der handelnden Personen Freizeitjäger, die sich das Töten unserer Mitgeschöpfe unter dem Vorwand „Naturschutz“ zum Hobby und Sport erkoren haben. Zahlreiche Artikel, Filme und das Angebot für die ethisch-moralisch verwerflichen Jagdreisen - auch auf geschützte Tierarten – belegen diese Tatsache. Das Ganze findet vor dem Hintergrund eines 75-jährigen Jagdgesetzes statt, das seit Zeiten Her-mann Görings nahezu unverändert Gültigkeit hat; Verstöße gegen dieses Uraltgesetz werden von Behörden äußerst zögerlich im Bagatellbereich geahndet, da in diesen Entscheidungsgremien regelmäßig Jäger sitzen.

Wir von pro-iure-animalis befassen uns täglich intensiv mit dem Jagdthema, decken verheerende Mißstände in unserer Region auf und versuchen, den Jagdterror- auch gegen unbeteiligte Menschen- zumindest einzudämmen.
Da im Herbst traditionsgemäß wieder die katholische Kirche die Huberusmessen feiert – in unseren Augen dieses Verbrechen an unseren Mitgeschöpfen damit sanktioniert und die handelnden Personen gar exculpiert - möchten wir  Ihnen persönlich zum Thema „ Jagd“ fundierte Hintergrundinformationen zu präsentieren mit dem Ziel, Sinn und Modus dieses Brauches vor den Fakten kritisch zu hinterfragen und zu prüfen; übrigens lehnen mehr als 80 % der Bürger die Form der heutigen Jagd strikt ab, wie ja auch Hubertus der Legende nach selbst der Jagd entsagt hat!
Wir bitten Sie daher um einen persönlichen Gesprächstermin in den nächsten 2-3 Monaten und rechnen fest mit Ihrer Gesprächsbereitschaft. Zu Ihrer persönlichen Information haben wir unsere Dokumentation vom Frühjahr 2008 beigefügt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Gunter Bleibohm                          Harald Hoos

 


Dazu die Antwort aus dem Sekretariat von Bischof Dr. Wiesemann vom 23. Juni 2008:

 

Sehr geehrter Herr Dr. Bleibohm, sehr geehrter Herr Hoos,

hiermit bestätige ich den Eingang Ihres Schreibens (mit Anlage) vom 18. Juni.

Ein Gesprächstermin mit Herrn Bischof Dr. Wiesemann kann ich Ihnen leider nicht geben.

Mit freundlichen Grüßen

Domvikar Georg Müller
 

 

 


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Es ist völlig sinnlos, sich mit ihnen darüber zu unterhalten, sie verstehen es nicht, sie können es nicht verstehen, denkt er, sie hören es, aber es sickert nicht in das Herz, in den Verstand, ergreift  nicht ihr Denken, noch weniger ihr Handeln  und sie wollen es auch nicht verstehen und werden es auch in nächster Zukunft nicht verstehen. Es ist genauso nutzlos mit ihnen über Ethik zu reden, über ethisches Verhalten zu diskutieren, weil sie es nicht begreifen, ist es doch von ihren stupiden Verhaltensweisen, von dem, was sie von ihren Eltern und Großeltern gelernt und übernommen haben, weiter entfernt, als die Lebensbedingungen eines Millionärs vom harten Existenzkampf der Menschen in einer römischen Vorstadthochhaussiedlung. ...

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