Zwischenruf: Der Verteidigungsfall vor der Haustüre – Notstand in Berlin? Drucken E-Mail

Ein Zwischenruf von Harald Hoos


Es herrsche Krieg im Wald – das behaupten ja viele Tier- und Naturschützer in Bezug auf die Jagd. Krieg ist ein böses Wort. Nennen wir es doch lieber Verteidigungsfall und bleiben damit in der politisch korrekten Wortwahl. Und wer kommt auf den Plan im Verteidigungsfall? Richtig: die Bundeswehr. Also wieso verteidigt uns nicht die Bundeswehr gegen die Gefahren, die im und aus dem Wald lauern, z.B. gegen die Wildschweine?
Jetzt denken Sie sicher, es sitzt wieder ein komplett durchgeknallter Tierschützer an der Tastatur und tippt in die Tasten, einer der komplett den Überblick verloren hat. Nein, keine Sorge, ich beziehe mich nur auf den Vorschlag des Bundestagsabgeordneten und Präsidenten des rheinland-pfälzischen Bauern- und Winzerverbandes, der genau diesen Vorschlag unterbreitet hat: die Bundeswehr sollte mithelfen die Wildschweine zu dezimieren, die Ministerin für Umwelt und Forsten solle sich dafür verwenden diese Idee durchzusetzen.

Als ich die Meldung das erste mal gelesen habe, wanderte mein verzweifelter Blick zunächst zu einem Kalender. Nein, es war der 19. August – nicht der 1. April. Diese Tatsache erfüllte mich mit Sorge. Versuchen Sie es mal wirklich so zu sehen: Der Winzermeister Norbert Schindler ist Abgeordneter des Deutschen Bundestages. Uns wird oft versucht glauben zu machen, Politik sei etwas komplexes und kompliziertes, was der „Normalbürger“ nicht verstehen, die Zusammenhänge niemals begreifen könne. Über manch einfachen aber soliden Vorschlag, ja vielleicht sogar aus dem Dunstkreis eines Stammtisches, wird dann von den hohen Politikern milde und herablassend gelächelt. Und dann so ein Vorschlag wie der von Schindler, quasi mitten aus dem Zentrum der CDU. Erschreckend.

Dort wo Schindler sitzt, wird über das Wohl unserer Gesellschaft entschieden und natürlich auch über unsere Umwelt und die darin lebenden Mitlebewesen. Ist Schindler das schwarze Schaf seiner Fraktion? Sein Weg in den Bundestag ein Ausrutscher? Oder sitzt er unter Seinesgleichen? Welche Ideen hat der Mann/die Frau rechts und links neben Schindler? Ein Gedanke, den ich eigentlich gar nicht denken möchte, aber, streng genommen, denken muss.
Auch Dr. Thomas Gebhart aus dem Nachbarlandkreis von Schindler ist inzwischen Bundestagsabgeordneter. Eben der Gebhart, der sich vehement für den Kormoranabschuss einsetzte wegen den hohen Schäden, die diese Vögel angeblich verursachen. Auf Nachfrage konnte Gebhart dann keinerlei Schäden beziffern. Aber er sehe beim Spazierengehen Kormorane, die Fische fressen, also machen diese Schäden und man müsse sie deshalb vernichten. Sitzt er direkt neben Schindler im Bundestag oder sitzt noch jemand dazwischen? Dies ist eine Frage, die schon fast statistische Relevanz hat.

Um es vorweg zu nehmen: Schindlers Idee mit der Bundeswehr als Streitmacht gegen Schwarzkittel hat keinen fruchtbaren Boden gefunden. Selbst Ministerin Conrad, die normalerweise für jeden Vernichtungsschlag gegen die verschieden Spezies in Wald und Flur zu haben ist, hat abgelehnt. Vornehm und leise abgelehnt ...

Schindler ist Bundestagsabgeordneter – entschuldigen Sie, dass ich das noch einmal wiederhole, ich muss mir das eben noch mal selbst vergegenwärtigen. Aber dessen nicht genug. 16 Nebentätigkeiten geht er noch nach, der fleißige Mann. Er ist Präsident des Bauernverbandes von Rheinland Pfalz und hat Funktionen in anderen Agrar-Verbänden, dazu kommen Tätigkeiten in Vorständen von Versicherungen und Banken und noch der Sitz im Verwaltungsrat des Südwestrundfunks. Welche Art von Vorschlägen unterbreitet er bei diesen Tätigkeiten, dieses All-round Talent aus Bobenheim?
Wer das alles noch mal genau nachlesen möchte, geht am besten auf www.abgeordnetenwatch.de und sucht in der Liste nach Schindler, Norbert. Ein kleiner Rückschluss auf die Bürgernähe sei hier auch erlaubt: sämtliche Fragen an Schindler auf seiner Abgeordneten-Watch-Seite bleiben konsequent unbeantwortet. Sicher muss der Bürger dafür Verständnis aufbringen. Ein solch vielbeschäftigter Mann – der auch mal noch so zwischendurch die Kanzlerin über den Wurstmarkt in Bad Dürkheim führt –, ein solcher Stratege kann  sich nicht auch noch um die lästigen Fragen aus der Bevölkerung kümmern.

Fragt sich nur noch, von welcher Stelle aus sich Deutschland langsam abschafft. Vielleicht von Berlin aus?
 


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