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Fuchsjagd fördert die Verbreitung von Krankheiten
Über den Sinn der Fuchspassjagd in Zusammenhang mit dem geschossenen
Luchs in Andermatt. Stefania Martinaglia
Nach der Aussage von Kantonsforstmeister Beat Annen müssen Füchse gejagt
werden, um eine Überpopulation zu verhindern. Dem ist, wenn man die
Fakten über Füchse studiert, nicht so. Übrigens wird die Passjagd mit
Fleischködern gemacht (anfüttern der Tiere). So ist es auch nicht
verwunderlich, dass der Luchs in den Hinterhalt geriet.
Krankheiten können am besten vermieden werden, wenn man die Wildtiere
nicht jagt, denn in diesem Fall finden keine Kontakte zwischen Menschen
und Wildtieren statt.
In nahezu allen Fällen, in denen reale oder vermeintlich ökologische,
epidemiologische oder ökonomische Probleme durch die massive jagdliche
Verfolgung und Tötung von Füchsen begegnet werden soll, wird
stillschweigend von der Gültigkeit der simplen Gleichung mehr Jagd
gleich weniger Füchse ausgegangen. Diese Annahme ist zum zentralen
Element jeder jägerischen Rechtfertigung der Jagd auf Füchse und viele
andere Wildtiere geworden. Dieser einfache und leicht zu verstehende
monokausale Zusammenhang erscheint auf den ersten Blick doch durchaus
logisch und einprägsam. Wenn etwa Füchse Hauptüberträger der Tollwut
sind, sollte es doch möglich sein, durch intensive Fuchspassjagd die
Anzahl der Füchse zu reduzieren und dadurch die Tollwut einzudämmen.
Seit geraumer Zeit kann jedoch als gesichert gelten, dass gerade diese
fundamentale These schlichtweg falsch ist. Sie widerspricht nicht nur
den jüngeren Erkenntnissen systematischer Fuchsforschung, sondern steht
ganz offensichtlich im Widerspruch zu nahezu allen Erfahrungen, die
Menschen in den letzten Jahrzehnten mit der Dynamik von
Fuchspopulationen gesammelt haben. Selbst die extrem brutale und
schweizweit durchgeführte Vergasung von Fuchsbauten zur
Tollwutbekämpfung in den Sechzigerjahren konnte weder den Fuchsbestand
regulieren noch die Tollwut wirkungsvoll eindämmen. Erst das schonende
Impfverfahren von Füchsen mit präparierten Hühnerköpfen war zum Nutzen
von Mensch und Tier später erfolgreich.
Je mehr Füchse jedes Jahr durch die Passjagd erschossen werden – in der
Schweiz sind dies über 33 000 – desto mehr werden geboren und desto mehr
Jungfüchse gibt es, die sich im Herbst ein eigenes Revier suchen müssen.
Gerade diese Jungfüchse sind es aber, die auf ihren langen herbstlichen
Wanderungen zur Verbreitung von Krankheiten beitragen: Sie begegnen weit
mehr Artgenossen als territoriale, also sesshafte Füchse, und laufen
Gefahr, sich bei Revierkämpfen mit der Tollwut oder anderen
Wildtierkrankheiten zu infizieren oder diese weiterzugeben.
Fuchspassjagd trägt also eher zur Ausbreitung der Tollwut als zu ihrer
Eindämmung bei.
Dass die grossflächige Reduktion von Füchsen mit jagdlichen Mitteln
unmöglich ist, wurde vielfach zweifelsfrei belegt (siehe Schweizerische
Tollwutzentrale). Aktuelle Studien weisen massiv darauf hin, dass ganz
ähnliche Mechanismen beim Fuchsbandwurm greifen: Auch hier begünstigt
der wachsende Anteil abwandernder Jungtiere als Folge intensiver
Fuchspassjagd die Ausbreitung des Bandwurms. Führende Forscher, wie etwa
der Schweizer Daniel Hegglin, empfehlen daher, das Auslegen von
Entwurmungsködern für Füchse mit einem möglichst geringen Jagddruck zu
kombinieren, um die Effizienz der Fuchsbandwurmbekämpfung zu maximieren.
Nicht zu vergessen ist, dass Füchse auch positive Eigenschaften haben
und die Gesundheitspolizei unseres Waldes sind, so tragen sie durch das
Fressen von Aas und Fallwild zur nicht Ausbreitung von Seuchen bei. So
sehe ich nicht die geringste Rechtfertigung für die Passjagd – ausser
die Lust am Töten einem chancenlosen Mitgeschöpf gegenüber. Wie immer,
wenn es um die Jagd geht, sollten wir uns jedoch vor Augen halten, dass
neben der Erhaltung einer intakten Natur auch Leiden und Tod fühlender
Lebewesen Gegenstände einer solchen Entscheidung sind.
Stefania Martinaglia, Safien platz
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