Interview mit Eugen Drewermann vom 14.12.2005 Drucken E-Mail

Interview mit Eugen Drewermann vom 14.12.2005

„Was wir machen, ist eine Querschnittlähmung durch den Motor der gesamten Evolution.“

Wie lebt ein prominenter Autor? Wie sieht sein Haus aus? Welche teuren Möbelstücke gib es zu bewundern? Mit solchen Fragen reiste ich nach Paderborn, wo Eugen Drewermann, Buchautor, habilitierter katholischer Theologe, Philosoph, Psychoanalytiker, Privatdozent und ehemaliger Priester wohnt. Er hatte dem Naturkostmagazin Schrot & Korn ein Interview versprochen. Die Antworten auf die Fragen, die ich mir gestellt hatte, waren überraschend: Eugen Drewermann wohnt im vierten Stock eines Mehrfamilienhauses an einer eher stark befahrenen Ringstraße Paderborns. Möbelstücke sind in erster Linie Regale. Denn Tausende von Büchern müssen in der Wohnung untergebracht werden. Drewermann lebt sehr bescheiden, aber beim Bücherkauf kann er sich nach eigenen Angaben oft nicht zurückhalten....


Interview mit Eugen Drewermann vom 14.12.2005

„Was wir machen, ist eine Querschnittlähmung durch den Motor der gesamten Evolution.“

Wie lebt ein prominenter Autor? Wie sieht sein Haus aus? Welche teuren Möbelstücke gib es zu bewundern? Mit solchen Fragen reiste ich nach Paderborn, wo Eugen Drewermann, Buchautor, habilitierter katholischer Theologe, Philosoph, Psychoanalytiker, Privatdozent und ehemaliger Priester wohnt. Er hatte dem Naturkostmagazin Schrot & Korn ein Interview versprochen. Die Antworten auf die Fragen, die ich mir gestellt hatte, waren überraschend: Eugen Drewermann wohnt im vierten Stock eines Mehrfamilienhauses an einer eher stark befahrenen Ringstraße Paderborns. Möbelstücke sind in erster Linie Regale. Denn Tausende von Büchern müssen in der Wohnung untergebracht werden. Drewermann lebt sehr bescheiden, aber beim Bücherkauf kann er sich nach eigenen Angaben oft nicht zurückhalten....

In der Juli-Ausgabe von Schrot & Korn haben wir die Essenz, das Wichtigste aus dem Interview abgedruckt. Weil aber in dem Gespräch so viele Themen behandelt wurden, soll hier der volle Wortlaut des Interviews widergegeben werden.

? Was bedeutet für Sie der biblische Satz „Macht euch die Erde untertan“?

! Dieser Satz aus Genesis 1,28, 29 zählt zu den folgenschwersten Irrtümern der Bibel, wenn man so will. Manche Theologen werden betonen, dass „Macht Euch die Erde untertan“ nicht bedeutet, man bekomme nun ein Recht auf schrankenlose Ausbeutung der Natur. Aber tatsächlich geht es um einen Herrschaftswillen, den der Mensch als Ebenbild Gottes über die Schöpfung legen soll. Diese Interpretation ist bis heute vielleicht das einzige Gebot Gottes, das wir wirklich gehalten haben. Der Machtwille des Menschen über die Kreatur ist maßlos, das Recht, das wir uns zueignen, mit den Tieren alles zu machen, was uns vermeintlich nützt, desgleichen, und die Skrupellosigkeit einer Ethik, die nur den Begriff der Verantwortung in Richtung auf den Menschen definiert, ganz genauso.

? Nennen Sie ein Beispiel?

! Die Natur hat mehr als 60 Millionen Jahre gebraucht, um den Amazonas-Urwald aufzubauen. Wer irgend an Gott glaubt, kann nicht denken, dass der Schöpfer seine Freude daran hat, dass wir genau 60 Jahre benötigen, um dieses Kunstwerk, ein gigantisches Biotop, mit Kettensägen und Brandrodung ein für alle Mal zu zerstören. Was wir machen, ist eine Querschnittlähmung durch den Motor der gesamten Evolution.

? Welche Rolle hat denn der Mensch in der Natur?

! Die Rolle, die er hat, ist uns zum ersten Mal merkwürdigerweise nicht von Theologen, sondern von Biologen, sprich durch Charles Darwin im Jahre 1856 in dem Buch über die Entstehung der Arten bekannt geworden. Und darin liegt das Problem: In Indien hätte die Erkenntnis, wie tief der Mensch in den Gang Welt hinein verwoben ist, wie sehr er nur selber eine Welle im Ozean des Lebens darstellt, keinen religiösen Schock auslösen müssen. Ganz im Gegenteil: Diese Erfahrung und Einsicht entspräche durchaus dem hinduistischen oder schambramanischen Weltbild. Im Christentum war die Rückerinnerung an die Herkunft des Menschen aus dem Gang des Lebens auf dem Planeten Erde so viel wie der Einbruch des Atheismus. Eine Auflösung der Würde, die der Mensch sich vollkommen narzisstisch bis dahin zugesprochen hatte. Die Folge ist: Wir haben Charles Darwins Erkenntnis nicht genützt, um weiser zu werden oder um unsere Ethik zu korrigieren, sondern wir haben alles benützt, was wir naturwissenschaftlich über die Natur gelernt haben, zum Herrschaftswissen für eine verbesserte Ausbeutung. Wir erobern jetzt mit technischen Mitteln den Platz zurück, den uns eigentlich das naturwissenschaftliche Weltbild genommen hat. Wir füllen die Lücke des Sinnverlustes heute mit praktikablen Machbarkeiten der Produktion und des Konsums. Wir schieben den Markt an die Stelle, wo eigentlich ein verantwortlicherer Umgang mit den Tieren, mit den Pflanzen, aus denen wir selber kommen, notwendig wäre.

? Kann man diesen Umgang befehlen? Brauchen wir eine Notstandsgesetzgebung für die Natur?

! Der Notstand ist in jedem Falle da, wir rotten jeden Tag etwa 150 Tier- und Pflanzenarten aus. In schätzungsweise zehn Jahren wird es frei lebende Orang-Utans nicht mehr geben. In spätestens 20 Jahren darf man dasselbe Schicksal für die Schimpansen in Afrika vermuten. Kurz: Wir reißen sogar die Wurzeln aus, die uns im Verlauf der letzten sechs bis zehn Millionen Jahre selbst hervor gebracht haben.

Die Lebewesen, an denen wir unsere eigene Herkunft, mithin auch das Verständnis für unsere eigene Psyche, gewinnen könnten, vernichten wir gerade im Augenblick.

Das alles machen wir im Wahn, wir könnten ja, wenn wir nur das genetische Material auf die Bank legen, nach Bedarf wieder Rückzüchtungen vornehmen, oder sogar wild herumexperimentieren, wir wären selber schöpferisch. Von der vernetzten Form der Vernunft eines Biotops haben wir nicht die geringste Kenntnis.

Wir haben uns vielleicht, wenn wir großzügig sind, von dem Bestand an Wildkräutern 15 – 20 Lebensformen zur Lebensgrundlage machen können. Mais, Maniok, Kartoffeln und so weiter. Der brasilianische Urwald würde wahrscheinlich hunderte von essbaren und nutzbaren Pflanzen und Kräutern aufweisen. Wir werden sie gar nicht erst kennen lernen! Wie viel an pharmazeutischen Möglichkeiten schlummert in einem Urwald, würden wir ihn mit Bedacht und Vorsicht langsam kennen lernen. Stattdessen glauben wir, jeden Verlust der Natur kompensieren zu können.

Und: Wir haben bis heute nicht die geringste Absicht, die Bevölkerungsexplosion einzudämmen. Die älteren unserer Leser sind noch in eine Welt hinein geboren, sagen wir um 1940, wo wir bei 2,5 Milliarden Menschen standen. Das war ungefähr die Zahl, die wir uns beim heutigen Stand der Technik und einem einigermaßen gerechten Gleichgewicht der Verteilung an Konsumgütern ohne nachhaltigen Schaden an der Natur leisten könnten. Wir stehen aber heute bei sechs Milliarden!

Kirchenführer wie Johannes Paul II. und der jetzige Papst, damals als Sekretär der Glaubenskongregation, bekamen es fertig zu erklären, dass die Warnung vor der Bevölkerungsexplosion eine übertriebene, pessimistische Ansicht sei. Man hat bei der letzten Weltbevölkerungskonferenz in Kairo im Verein mit amerikanischen Fundamentalisten und persischen Ayatollahs ein weltweites Geburtenkontrollprogramm storniert, boykottiert. Mit der Folge weiteren gigantischen Wachstums um hunderte von Millionen Menschen, die nicht wissen, wie und wo sie leben sollen. Und dabei nahmen sie eine weitere irreparable gigantische Zerstörung der Natur in Kauf. Sie spielt in dieser christlich-ethischen Optik scheinbar keine Rolle. Weniger Menschen, damit Meerkatzen und Schimpansen überleben könnten, ist absurd für diese Perspektive der Gottseligkeit.

Wann definiert man mal das Schöpfungswerk Gottes so, dass es statt „Legitimation zur Zerstörung“ „Pflicht zur Bewahrung“ auflädt?

? Das heißt, da gibt es viel zu tun für die katholische Kirche?

! Sie müsste selber ihre ganze Tradition infrage stellen! Sie hat auch damit zu tun, dass die meisten katholischen Länder im Süden – Spanien,. Italien, Frankreich – mit Singvögeln auf eine Art umgehen, die Naturschützer nur erschrecken kann. Die durchziehenden Vogelstraßen sind bekannt, man schießt, man leimt, man tötet, wie wenn das jagdbares Wild wäre, das man gerade noch braucht für den Kochtopf. Es ist die reine Barbarei und Skrupellosigkeit. Wir wollen gar nicht reden vom spanischen Stierkampf. Wir wollen nicht davon reden, dass man in den südlichen Ländern mit der Natur immer noch so umgeht wie im Erbe der alten Römer.

? Muss sich die Kirche also mehr einmischen in die ganz normalen Lebensumstände?

! Sie müsste, was sie offenbar nicht will! Es ist so appetitlich, Gott dafür zu danken, dass man nun den Hasen auf dem Tisch hat. So bin ich selber groß geworden, und so hass’ ich es. Es ist weder weise noch gütig, es ist grausam und ignorant.

? Seit wann sind Sie Vegetarier?

! Das ist nicht auf einen Schlag geworden, aber ich hatte zunehmend Skrupel. Schon in den 50ern, ich war damals 13, 15, 18 Jahre, und das Paradox war, dass – wen immer ich fragte von den Theologen, sei es den Vikar, den Pastor -, ich dahin belehrt wurde, es sei halt Gottes Wille: Ein Lebewesen lebt vom anderen, so ist das eingerichtet, und uns Menschen hat er das zur Verfügung gestellt. Diesen Irrsinn hat man 1992 noch in den Weltkatechismus für eine Milliarde Katholiken gedruckt: So soll man glauben! Es gibt da keine Skrupel, es ist der Wille Gottes, und man muss ihm für die großzügige Gnade danken, dass man gerade eines der Tiere hat töten dürfen, weil sie doch so schmackhaft sind! Mitleid ist da offensichtlich fehl am Platze.

Ich brauchte den indischen Kulturkreis, die Lektüre des Buddha, um eine Erlaubnis zu finden, mein Problem zu haben. Im ganzen christlichen Abendland gibt es für diese Frage nicht einmal ein Problembewusstsein, das musste ich damals lernen. An der Stelle muss das ganze Christentum von den Naturreligionen, den Indianern, von Buddhisten, von Hindus Weisheit gewinnen, um den Anschluss an die eigenen im Bereich der Naturwissenschaften längst gefundenen Erkenntnisse zu finden.

Wir bräuchten im Erbe Darwins eine Ethik, die der Tatsache Rechnung trägt, dass uns vom Schimpansen weniger als zwei Prozent des Genoms unterscheidet. Was machen wir mit Tieren, die fühlen können wie Menschen, tanzen, lachen, traurig sein, wütend sein, zärtlich sein können, was für Rechte haben wir, damit umzugehen, wie wenn das Reflexmaschinen wären ohne Seele?

? Unter welchen Voraussetzungen können wir denn Tiere nutzen?

! Ich glaube, es ist vertretbar, von Tieren das zu nehmen, was sie geben, auch wenn das allzumeist im Zusammenhang ihrer eigenen Reproduktionsfähigkeit oder Brutpflege steht. Also Eier, Milch und die Produkte, die man daraus gewinnt. Das trägt nicht zur Qual der Tiere bei, jedenfalls muss es das nicht. Die erste Bedingung allerdings, die ich daran knüpfe, ist eine artgerechte Tierhaltung.

Mich ärgert es nicht nur, ich finde es skandalös, dass wir ein Tierschutzgesetz haben, das im Umgang – zumindest – mit Wirbeltieren wenigstens, artgerechte Tierhaltung befiehlt, und wir dann folgenlos mit anschauen sollen, wie man Tiere, Hühner beispielsweise, zu Hunderttausenden in Käfigen hält. Nur damit sie als Schlachtvieh und als Eier legende Maschinen in Frage kommen. Es ist unerhört!

Wie man - und zwar von den Landwirtschaftsverbänden - den Bauern empfehlen kann, Schweinebestände mit 6.000, 7.000 Tieren zu bevorzugen, nur weil das offensichtlich im internationalen Konkurrenzvergleich preisgünstiger aussieht. Man muss bedenken, dass diese so genannte Preisgünstigkeit sich erkauft durch die Entlassung von Arbeitskräften in der Agrarwirtschaft, mit einem gewaltigen Gülleausstoß, der die Böden und die Flüsse belastet, mit Umweltschäden, die gigantisch sind, mit einer Fleischqualität, die verdorben wird durch ständigen Eintrag von Pharmaka, um die Tiere ruhig zu stellen, um sie vor Ansteckungen zu bewahren, es ist nicht einmal verbrauchergünstig, so zu produzieren. Mir aber ist wesentlich das Mitleid mit den Tieren. Sehend, wie Tiere aufwachsen in unseren Stallungen, packt uns das reine Grauen. Und dann muss jeder, der noch nicht Vegetarier ist, sich fragen, ob er diese Art zumindest der Tierhaltung mit unterstützen will. Spätestens an dieser Stelle gehört ein enormer Widerstand der Bevölkerung in Erinnerung an den Gesetzgeber bezüglich dessen, was er selbst erlassen hat auf die Tagesordnung.

? Kaufen Sie selbst ein?

! Ich kauf’ mitunter selber ein, und dann ist natürlich klar: Wenn ich Eier einkaufe, dass ich die aus Freilandbeständen kaufe - wenn das nicht wieder nur eine irreführende Etikettierung ist. Ich komme von Paderborn aus seltener dazu, auf dem Lande direkt beim Bauern einzukaufen, um zu sehen, was er mit den Tieren macht. Manchmal muss man ja dem Hersteller auch glauben. Auf so etwas kann jeder achten.

Und er muss wissen, dass er damit im Ganzen sogar preisgünstiger wirtschaftet, wenn er die Gesamtkosten vor Augen hat: Die Umweltbelastungen, die Arbeitslosen.

Hinzu kommt, dass wir bei der jetzigen Ernährungsform eine Doppelernährung in Kauf nehmen, indem wir zunächst einmal Nahrungsmittel produzieren müssen für die Tiere, die wir dann als Nahrungsmittel brauchen wollen. Das ist so umwegig und biologisch absurd. Wir könnten mit dem Futter für die Tiere, die uns dann als Futtermittel dienen sollen, große Teile der Hungersnot in den Ländern der Dritten Welt auf direktem Wege auffangen. Es ist also nicht nur für die Tiere, es ist auch für Millionen von Menschen eine Katastrophe, was wir da machen. Das alles - erleb’ ich freilich - schlägt nicht wirklich durch. Sollten sich die Vermutungen mancher Mediziner bestätigen, dass zu viel Fleischnahrung Darmkrebs verursacht, wäre unsere Argumentationslage augenblicklich durchschlagend. Ich möchte aber nicht, dass Menschen aus Angst um ihre Gesundheit etwas Richtiges tun, sondern wirklich aus Motiven, die ethisch begründet sind: Mitleid mit den Tieren.

? Stichwort „Mitleid mit den Tieren“: Was ist zu Tierversuchen zu sagen? Geht Menschenrecht nicht vor Tierrecht?

! Das Problem mit den Tierversuchen ist eine problematische, in sich tragische Fragestellung. Eh’ wir dazu kommen, gebe ich nur zu bedenken, wie der Vergleichsrahmen aussieht:

Der bloße Verdacht einer möglichen Übertragbarkeit der Bovine Spongiforme Encephalopathie (BSE) von Rindern in Gestalt der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auf den Menschen hat die Gesundheitsminister der EU dazu gebracht, in den Beständen Großbritanniens vier Millionen Rinder auszurotten, zu töten, zu verbrennen. Wobei das Verbrennen die Prionen nicht zerstört, sondern absurderweise noch freisetzt. Der bloße Verdacht einer Übertragbarkeit hatte die Handlungspflicht. Die Möglichkeit, ein Mensch könnte zu Schaden kommen, muss verhindert werden, in dem man vier Millionen Tiere tötet. Und zwar solche, die man selber krank gemacht hat. Indem man völlig vegetarisch lebende Haustiere glaubte preisgünstig ernähren zu können durch Fütterung des Mehls, das man aus den Kadavern ihrer eigenen Artgenossen gewonnen hatte.

Nehmen wir ein simples Beispiel: An einem Wochenende, an dem die Ferien beginnen wird die Verkehrspolizei mit Sicherheit damit rechnen müssen, dass es zu Hunderten von Karambolagen kommt, im Inntaldreieck oder an anderen Verkehrsballungszentren, und dass bei den Hunderten von Karambolagen mindestens ein paar Dutzend Schwerverletzte, wahrscheinlich auch ein paar Tote die Folge sein werden. Das wird aber nicht dazu führen, dass man auch nur ein paar hunderttausend Autos das Fahren verbietet, um den Verkehr auszudünnen.

Sobald man’s aber mit Tieren zu tun hat, fühlenden Wesen, haben wir Menschen jedes Recht, uns zu schützen. Ja wir haben offenbar sogar die Pflicht, uns vor Tieren zu retten, die wir selbst zu Opfern unserer Willkür gemacht haben. Gegenüber der heiligen Kuh des Autos, das nun gar nichts fühlt, sind wir plötzlich völlig rechtlos, alle Rechte liegen bei der Autoindustrie.

Drum, um klar zu sehen, muss man sagen, dass die Rechte sich verschoben haben. Nachdem wir uns das Recht über die Tiere angeeignet haben, um dem Markt günstig zu sein, erleben wir jetzt gerade, dass wir selbst als Menschen auch keine Rechte mehr gegenüber dem Markt haben. Es gibt überhaupt keine Rechte, außer dem des Geldverdienens. Das bedeutet, alles, was uns umgibt, hat nur einen Wert, wenn es sich in der Geldform realisieren lässt. Bis dahin hat es keinen Wert.

? Nennen Sie dafür bitte ein Beispiel?

! Ein Landstrich, ein Flusslauf, ein Urwald, ein Meeresarm hat nur den Wert, den er als Verkaufsobjekt auf dem Markt erzielen könnte. Dann kommt der Meistbietende, und ihm gehört dieses Stück Erde, und er kann nun darauf machen, was er will. Er hat sogar ein Recht, unter Polizeischutz den Urwald weiter zu verwüsten, weil er für McDonalds Billigfarmen für Schlachtfleisch anlegen will. Oder weil er für die Tourismusindustrie just gerade einen Flughafen benötigt. Ob da Indianer wohnen,. ist genauso uninteressant wie, was für Tiere da leben. Ihm gehört das Land ja. Also hat er das Recht, mit dem totesten Material, dem Geld, zu töten, was er will.

Da es sich so verhält, müssten wir zunächst zur Kenntnis nehmen, dass die Mitleidlosigkeit, die wir den Tieren gegenüber praktizieren, uns auch mitleidlos macht im Umgang mit Menschen. Das ist ein psychologisch sehr tiefes Problem. Man kann Mitleid nur einmal zerstören: Hat man’s nicht mehr mit den Tieren, hat man’s auch nicht mehr mit den Menschen. Ignoriert man, dass Tiere fühlende Wesen sind und setzt sich darüber hinweg, egal, für welche Interessen, wird man mit Menschen genauso verfahren. Insofern ist der Schutz der Tiere eine Einübung auch des Respekts vor Menschen.

Nur haben wir in unserer Ethik beide Ebenen auseinander genommen. Wir sind überaus sensibel zum Beispiel in der Frage möglicher Abtreibung, selbst bei genetisch schwersten Belastungen, aber wir finden überhaupt nichts dabei, Klon-Schafe zu züchten oder mit Hybrid-Farmen zu experimentieren, wann immer ein Marktinteresse dafür sprechen könnte.

Und in diesem Zusammenhang muss man jetzt wahrscheinlich auch die Frage der pharmazeutischen und vor allem militärischen Versuche an Tieren erörtern.

Um in der Reihenfolge der Argumentation den einfachsten Weg zu beschreiten: Es ist ungeheuerlich, dass wir an Tieren Hunderttausendfach zunächst einmal studieren, wie bestimmte Waffen, Sprengstoffe, Schadstoffe, Strahlenwirkungen, Gifte, Nervengase sich in einer Weise effizient handhaben lassen, dass die sichere, schnelle und qualvolle Ausrottung beliebig vieler Lebewesen als Option für den nächsten Krieg in petto gehalten werden kann.

Wenn Ärzte beispielsweise sehen, wie man Neurotransmitter in ihrer Wirkung steigern oder blockieren kann, lassen sich daraus Medikamente ableiten. Vielleicht. Für psychische Erkrankungen. Wie aber ein Militär darauf kommt, dass man all das, was schon schädlich ist, noch effizienter machen kann, damit der Schaden tödlich und die Qual unerträglich wird, ist ein Zustand, der in einer offenen Demokratie heute noch als unerträglich beseitigt gehört. So etwas darf man nicht sehen wollen bei Tieren und darf es nicht wünschen wollen bei Menschen.

An dieser Stelle ist allein schon die Geheimhaltung, mit der das alles passiert, skandalös. Eine Demokratie muss darauf durch offene Information reagieren können. Was treiben eigentlich hinter unserem Rücken die Militärs im Umgang mit Tieren, an denen sie das Töten experimentell üben? Mit immer neuen, scheußlicheren Waffen.

Wir sind jetzt erschrocken über Milzbrand. Die wenigsten wissen, dass im so genannten Zweiten Weltkrieg 1940 genau dieses Zeug zur Ausrottung von Deutschen von Churchill schon geordert war.

? Und wie beurteilen Sie Tierversuche in der Medizin?

! Die Schwierigkeit liegt darin, dass Forschung heute unter einem unglaublichen Profitzwang steht. Wir haben nicht mehr die Zeiten einer freien, akademischen Forschung, wo wir vielleicht aus den Qualen eines einzelnen Tieres in Ruhe wichtige Folgerungen zum Verständnis des neuronalen Netzes im Gehirn von Wirbeltieren und dann auch vom Menschen gewinnen könnten, um entsprechend dann das absolute Quantum Leid vielleicht zu verringern. Wenn dies die Aussicht ist und die Absicht ist, glaube ich, dass wir heute auf Tierversuche noch nicht absolut verzichten können.

? Und dann würden Sie sie auch akzeptieren?

! Wenn sich zeigen würde, zum Beispiel, dass in der Veterinärmedizin Seuchen bekämpft werden könnten, wenn wir einzelne Tiere zum Forschungsobjekt erklären, glaube ich, dass wir manchmal aus Verantwortung, um das Schlimmste zu verhindern, manche Übel in Kauf nehmen müssten. Aber immer im Wissen, dass wir dem einzelnen Tier damit ein nie wieder gut zu machendes Unrecht zufügen und wir uns in einer tragischen Situation befinden. Aber das ist der äußerste Grenzfall! Was wir erleben ist eine Konkurrenzwirtschaft auch in der Pharmazie, wo ganz überflüssige Medikamente - oder zumindest in ihrer Wirksamkeit völlig vergleichbare, leistungsfähige Medikamente - parallel produziert werden, damit eine Firma die andere übertölpelt. Oder dass sie möglichst schnell auf dem Markt wieder die vorgeschossene Kapitalmengen retournieren sieht. Die Forscher selber werden immer wieder angetrieben, möglichst viel zu verbrauchen, um möglichst rasch Ergebnisse zu produzieren. Alles kann gar nicht schnell genug gehen. Wieder haben wir da die Verbindung von Wissenschaft mit Zielsetzungen, die außerwissenschaftlich sind. Und es würde zum Ethos jeder Art von Biologie, Neurologie, was auch immer, gehören, zunächst nichts weiter zu wollen als Erkenntnisse zu sammeln. Ohne sofort als Soldat des Kapitals fungieren zu müssen.

Ein anderes Gebiet der Tierversuche liegt in der Ausbildung der Mediziner. Vieles soll an Tieren probiert werden. Wie man operiert beispielsweise, wie man narkotisiert, damit man es an Menschen handwerksgerecht durchführen kann. Ich glaube nicht, dass wir menschlichere, bessere Ärzte erwarten können durch eine Ausbildung, die als erstes lehrt, Leid zu instrumentalisieren und dann zu neutralisieren. Die meisten Dinge, die wir den Tieren handwerklich glauben antun zu müssen, ließen sich heute längst über Computersimulationen, über technische Versuchsgeräte abarbeiten. Wir bräuchten dafür nicht mehr fühlende Wesen. Ich glaube nicht, dass wir vor allem den Biologie-Studentinnen und -Studenten den Zugang zu ihrem Fach verweigern müssten, indem eine Bedingungsauflage besteht, erst einmal an Regenwürmern durch Sektion herauszufinden, wie deren Nervensystem ist. Das steht in jedem Lehrbuch! Es lässt sich hundertfach abbilden. Es gibt an diesen Stellen überhaupt nichts Neues zu lernen, was also soll die ganze Tierquälerei? Wir haben kein Gesetz, das den artgerechten Umgang mit Mollusken und Würmern definieren würde. Trotzdem glaube ich, dass fühlende Tiere ein Recht haben, dass ihre Gefühle respektiert werden. Und für einen Regenwurm , den man seziert, ist sein ganzer Körper nichts als Schmerz.

? Muss Kirche sich da einmischen? Was erwarten Sie vom neuen Papst?

Was die Frage des Tierschutzes angeht, eigentlich gar nichts! Er hat die Entscheidung mitgetragen , dass die Schöpfungsordnung Gottes so ist, dass der Mensch im Mittelpunkt steht, dass er als höchstwertig betrachtet werden muss, dass ihm deswegen alles zur Verfügung steht, was er braucht. Und es ist selbstverständlich, dass ein Mensch, der neu zur Welt kommt, vor allem, wenn er in einer katholischen Familie zur Welt kommt, unendlich viel wichtiger ist als beliebig viele Meerkatzen. Der anthropozentrische Ansatz geht ja noch einher auch mit einem logozentrischen Ansatz. Man hat den Menschen aus der Natur isoliert, und man hat am Menschen das, was man Vernunft genannt hat, isoliert von den Gefühlen. Auch da zeigen uns die modernen Naturwissenschaftler, die Neurologen, dass die Vernunft unseres Denkens auf der Verknüpfung mit Gefühlen basiert.

Es gibt einen berühmte Fall, als ein Mensch durch einen Hirnschaden anfing, sich asozial zu verhalten. Er konnte die Korrespondenz mit seinen eigenen Gefühlsinhalten nicht mehr in planvolles Handeln übersetzen. Menschen, die nur noch denken, aber nie mehr fühlen, sind krank! Aber so definiert die heutige Kirche, die heutige Theologie immer noch den Menschen. Die Triebe, die Gefühle muss man beherrschen, als ethisches Material unter die Füße stemmen. Und Vernunft und Sittlichkeit werden geboren aus Geist und Wille. Diese Spaltungen sind absurd, sie sind neurotisch, würde man psychoanalytisch sagen, und sie sind destruktiv, weil damit auch die Verbindung zwischen Mensch und Natur im Menschen selber noch einmal amputiert wird.

Viele Verbrechen sind überhaupt nur möglich bei gefühlsgestörten oder -zerstörten Persönlichkeiten. Vernünftig im Sinne zweckrationalen Handeln sind die.

Was sollen wir von Politikern halten, die einen Atomkrieg mit in der Ouvertüre 100 Millionen Toten, 150 Millionen Toten je nach Winddrehung für verantwortlich halten? Wir haben Wahnsinnige in den höchsten Ämtern, umkleidet mit höchster Macht! Einfach, weil Gefühle mit Gedanken nicht rückgekoppelt sind. Ich denke, Gerichtspsychiater werden sagen, das ist die Struktur von Menschen, die höchst gefährdet sind und fähig zu kriminellen Handlungen. Menschen ohne Gefühle. Davon ist die Welt voll inzwischen und offenbar haben wir da sogar ein pädagogisches Auftragsziel abzuarbeiten.

So soll die Generation werden, die jetzt heranwächst: Gefühle sind schädlich, zu emotional, weichlich auch und weibisch, oder infantil, irgendwie müssen wir sie abgewöhnen, damit wir marktgerecht den Standort Deutschland sichern können. Vor dieser Zukunft graut mir, weil ich denke, wir entfernen uns mit Windeseile noch aus den letzten Korrekturstellen, die wir im Rahmen der Natur und im Rahmen der Natürlichkeit in unserer Seele zur Verfügung hätten.

? Ist das in Rom auch so: Nur noch Denken, keine Gefühle mehr?

! Ich weiß es nicht. Man erzählt, dass beim so genannten Zweiten Vatikanischen Konzil 1963 es üblich war, Leichenzungen zu verspeisen. Ich glaub’, das genügt als Kommentar.

Man schreitet einher mit purpurnen Gewändern. Wie man aus dem Blut von Purpurschnecken das Rot gewinnt, muss ich nicht erzählen. Mitleid mit den Tieren hat es in der römischen Optik nie gegeben. Das begann mit den römischen Caesaren und hat bis heute keine kulturelle Verschiebung erlebt.

? Und Sie erwarten jetzt auch keine Änderung in Rom? Zum Beispiel durch den neuen Papst.

! Nein, ich glaube nicht. Woran die Kirche von Rom interessiert ist, ist die Verbesserung der Religionsstatistik! Wie sonst kann man sich erklären, dass Johannes Paul II im volkreichsten Land Afrikas, in Nigeria, erklärt hat, dass die Warnung vor der Bevölkerungsexplosion übertriebener Pessimismus ist? Das heißt doch wohl auf deutsch für alle katholischen Nigerianer: „Vermehrt Euch weiter so fleißig Ihr könnt! Denn sonst droht der Überhang des Islam!“ Anders macht dieser weltpolitische Irrsinn keinen Sinn. Man hat es zu tun mit dem verwalteten Gruppenegoismus, aber sicher nicht mit einer wohlüberlegten Form der Weltverantwortung. Das ist ein Fremdwort in dieser Ethik. Wenn Verantwortung, dann für die Gruppenziele, die man ausgibt für Menschheitsziele. Aber jenseits der Menschheit gibt es auch keine Ethik. Das ist wie im deutschen Idealismus: Tiere haben keine Rechte, schon deshalb, weil sie keine Pflichten haben können! Da zitier’ ich jetzt eben einen Weihbischof in Salzburg, der hat das vor einer Weile noch so ausgedrückt.

Aber natürlich haben Tiere alle Arten von Pflichten. Schauen Sie sich nur an im Frühling, was die Vögel alles tun, um ihre neue Brut groß zu ziehen. Das sind die Pflichten der Vögel. Und sie meistern sie mit erstaunlichem Engagement. Ich denk’, sie haben ein Recht zu erwarten, dass wir ihnen nicht gerade die Bäume abholzen, in die sie ihre Nester gebaut haben.

? Tragen sie Johannes Paul II eigentlich seine Entscheidung nach, die Sie direkt betroffen hat?

! Es geht dabei nicht um mich. Die Gründe, die zur Verurteilung geführt haben, zeigen einen Zustand des religiösen Bewusstseins, der eine ungute Wahl zwischen aufgeklärtem Atheismus und unaufgeklärter Frömmigkeit nach sich zieht. Ich möchte, dass Denken und Glauben eine Einheit werden und zwar unideologisch! Dass man die Natur sehen darf, wie sie ist und den Glauben an Gott in Verbindung damit setzen kann.

Bei meiner Verurteilung wurde es nötig zu glauben, dass eine Jungfrau ein Kind bekommt. Bloß weil man die Bibel nicht vernünftig zu lesen im Stande ist, nicht mal die eigenen religiösen Urkunden so interpretieren darf, wie sie 200 Jahre nach der Aufklärung sich eben Verständigen darbieten. Wunderbare lyrische Texte, die man verobjektiviert und auf abergläubische Weise dann zu Glaubensvorschriften macht.

Hinzu kommt, dass Papst Johannes Paul II dafür gesorgt hat, dass es keine theologische Diskussion mehr gibt. Der Ortsbischof muss den Verdachtsfall klären, der Verdächtige schwört allem ab, was man ihm unterstellt, selbst den Dingen, die er nie gesagt oder gemeint hat, tut öffentlich Buße und ist moralisch für den Rest der Tage so gefügig wie erledigt. Oder aber, er erweist sich als uneinsichtig, als halsstarrig, als Sünder mit Vorsatz, dann muss man ihn eliminieren. Dass man das so machen kann, zeigt mir, dass die katholische Kirche nicht an Wahrheit interessiert ist, sondern an Machterhalt. Und das muss wohl so sein, wenn der Papst unfehlbar ist und Gottes Stellvertreter. Dann ist der Dialog eigentlich nur noch asymmetrisch zu führen, um es gelinde auszudrücken.

? Welche Einstellung haben Sie zurgrünen Gentechnik? Kann sie irgendwann den Hunger von der Welt verbannen, wie Befürworter sagen?

! Das sind zwei Dinge. Das eine ist: Wir trauen uns gerade zu, in die Regelmechanismen der Natur durch lineares Denken von a nach b auf der kürzesten Zielstrecke eingreifen zu können wie mit einem chirurgischen Skalpell. Wir haben in Wahrheit keine Ahnung, wie genveränderte Pflanzen oder Tiere auf ihre Umwelt wirken. Und da wir diese Ahnung nicht haben, dürften wir eigentlich nichts tun. Umgekehrt ist die Folge: Da wir keine Ahnung haben, rasen wir wie Verrückte durch den Nebel, wir sehen ja kein Hindernis.

Gegenüber Gen-Mais, Gen-Food und was Sie wollen ist mir jeder Einwand recht! Und gleichzeitig weiß ich, dass jeder Einwand folgenlos bleibt, weil im Hintergrund ganz sicher nicht der Kampf gegen den Hunger in der Dritten Welt steht, sondern die Profit- und Verteilungsinteressen der Produzenten. Man ist jetzt gerade dabei, zu befolgen, was Henry Kissinger vor Jahren sagte: „Wer die Nahrungsmittelproduktion kontrolliert, kontrolliert die Menschheit! Wirksamer als mit Waffen!“ Deshalb muss man Reis verändern, denn dann hat man ganz Südostasien im Griff. Absolut im Griff! Hirse nur ein wenig verändern, dass sie irgendwie günstiger ist als die einheimische Hirse, und schon hat man ganz Nordafrika im Griff! Das steckt dahinter: Machtpolitik und Geldinteresse.

? Und Gentechnik in der Medizin?

! Genforschung kann man in der medizinischen Forschung nicht für unberechtigt halten. Mediziner tun nichts weiter, als dass sie versuchen, die Ursachen von Krankheiten zu erforschen und entsprechend der jeweiligen Kenntnis aufzulösen. Dabei hatten wir es in der Medizingeschichte zunächst mit Fehlern der Ernährung zu tun, der Lebensweise, die man relativ oberflächlich kurieren konnte, und daneben ein breites Feld des Unerforschten, das man bösen Geistern oder Gottes Strafgerichten zurechnete. Inzwischen – spätestens seit der Entdeckung des Mikroskops – sehen wir Krankheitserreger vor uns. Seit der Entdeckung des Elektronenmikroskops sehen wir bis in die Molekularbiologie hinein, wie die Mechanismen sind, die komplexe Zellstrukturen, Gewebe, Lebewesen zerstören können. Und wir finden auch nicht, dass ein lieber Gott dahinter steckt, wenn Formen zwischen anorganischer und organischer Materie, zwischen belebten und unbelebten - wie der Retrovirus HIV - imstande sind, Millionen Menschen auszurotten. In Afrika alleine sind 20 Millionen Menschen betroffen. Ein Lebewesen, das noch nicht mal als Einzeller definiert werden kann, ist der Natur im Zweifelsfall wichtiger als alle anderen Menschen. Und es kann sehr lange dauern, bis es rein durch den Mechanismus der Selektion Formen des Homo sapiens gibt, die HIV-resistent wären. So etwas soll es geben. Man weiß von Dirnen in Südafrika, die offensichtlich kein Aids kriegen, aber man weiß nicht, warum das so ist, was man tun müsste, um viele Menschen mit dieser Resistenz auszustatten..

Kurz: Von Retro-Viren weiß man ja erst, seit man in der Genetik Riesenfortschritte gemacht hat. Und dann beginnt natürlich das Basteln auf der Ebene der Genetik, was man tun kann, um HIV zu bekämpfen. Das ist unvermeidbar. Sobald wir die Krankheitsursachen auf der genetischen Ebene medizinisch erforschen können, und dabei zu Erkenntnissen gelangen, sind wir entsprechend der medizinischen Verantwortung auch in der Pflicht, daraus Folgerungen zu ziehen. Das geht bei genetischen Störungen mit genetischen Mitteln. Es kommt hinzu, dass der Motor der Evolution, von dem wir eben so groß sprachen, unter anderem in ungerichteten Mutationen besteht. Von jeder Mutation darf man sagen, dass sie im Verhältnis von 1:1.000.000 Leiden verursacht. Das heißt: Sie haben auf der untersten Ebene der Veränderung des Erbguts natürlicherweise einen Schaden von ungefähr einer Million Fälle vor Augen. Individuell verbunden mit frühem Tod, langer Krankheit, Dysfunktionen aller Art, damit einmal vielleicht die Möglichkeit eines Überlebensvorteils im Hintergrund einer sich verändernden Umwelt zu Tage träte. Natürlich werden Mediziner versuchen, diese millionenfache, mögliche Schädigung durch Kopierfehler der DNA so gut es geht aufzufangen. Möglichst früh zu erkennen und wenn es geht zu korrigieren.

Wenn wir heute zeigen können, wie zum Beispiel Korea-Huntington an einer bestimmten Stelle des Genoms durch einen Schreibfehler entsteht, und dieser Schreibfehler sich vererbt, werden wir versuchen, an dieser Stelle genchirurgisch den Genfehler zu beseitigen. Natürlich!

? Und das akzeptieren Sie auch?

! Ich denke, das ist nur in der Logik dessen, was die Medizin in all der Zeit getan hat. Das dient der Vermeidung von Leid und ist ausgelegt zur Hilfe von Menschen und von Tieren. Das hat einen vernünftigen Zweck und einen vernünftigen Handlungsauftrag. Dieses andere hat einen absolut desaströsen Handlungsauftrag. Der Unterschied ist nicht: „Macht man etwas genetisch?“, sondern „Was macht man genetisch? Und für welchen Zweck macht man das?“

? Noch eine ganz banale Frage: Haben Sie eigentlich wirklich keinen Kühlschrank?

! Nein!

? Warum nicht?

! Weil ich keinen Grund dafür sehe. Es sind drei Monate höchstens, wo man einen brauchen würde, sonst ist der Balkon mein bester Kühlschrank. Käse abzukühlen auf drei Grad, damit ich ihn vor dem Essen erst wieder zwei Stunden stehen lassen muss, um ihn richtig zu temperieren, ist ja idiotisch. Außerdem sind die FCKWs noch nicht ganz an der Ozonschicht angekommen, vieles davon stammt aus Kühlschränken. Energieverbrauch ist zusätzlich gegeben. Selbst in den heißen Monaten, selbst wenn’s um Butter geht, ich ess’ davon nicht viel, genügt’s, dass man sie in Wasser stellt und hat sie wunderschön gekühlt. Also kein Problem. Was ich nicht brauche, hab’ ich auch nicht! Bis auf Bücher. Da muss ich jetzt vorsichtig reden. Die glaube ich zu brauchen, aber so VIELE bräucht’ ich nicht......

(Quelle: Naturkostportal, naturkost.de)

 

 


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Fallenjagd: Eine Zusammenstellung der Tierrechtsorganisation PeTA
Auch Ihr Tier ist gefährdet!


In Jägerkreisen fürchtet man nichts mehr als dass die Fallenjagd und Fallenunfälle von Haustieren in die Öffentlichkeit gelangen. Eine breite Diskussion über Sinn und Unsinn dieser brutalen und auch für Menschen durchaus gefährlichen Jagdart soll möglichst vermieden werden, stattdessen das Image des Jägers als angeblicher Heger und Pfleger des Waldes gepflegt werden.

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