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Das Rehkitz

Ein Mosaik aus Licht.
Das Gras zwischen den Steinen,
An manchen Stellen rot gefärbt
Von ihrem Blut.

So lange leckte ich noch ihre Wunde,
Sah, wie der Glanz in ihrem Auge starb.
Die bösen Männer,
Kommen sie zurück?

Im letzten Licht allein.
So stand ich frierend auf der Lichtung.
Ihre Augen starr,
Und keine Wärme mehr von ihr.

Warum? Die Welt war friedlich.
Das Gras war süß,
Und nass von Morgentau.
Die Welt war schön und gut.

Dann, Schüsse, plötzlich,
Und alle Tiere hatten Angst.
Wir flohen panisch,
Doch zu spät.

Mich schützte ein Gebüsch.
Die Mutter fiel.
Sie schrie nicht, lautlos,
Sank sie in das grüne Gras.

Nur leise röchelnd,
Zitternd ihre Flanken.
Mutti, oh, Mutti, Mutti, nein!
Die ganze Welt schrie auf.

Die ganze Welt zerbrach.
So achtlos waren sie!
Sie töteten auch Hasen,
Vögel, Enten und die Stille.

Sie sammelten die toten Tiere ein.
Nur meine Mutter konnten sie nicht finden,
Wie durch ein Wunder.
Aber ich, ich fand sie gleich.

Nein, niemals, niemals, niemals
Werd ich ihn vergessen,
Den Schmerz in ihrem Auge,
Als es brach!

Die Vögel sangen weiter,
Als sei nichts gescheh’n.
Die Enten putzten sich und schnatterten
Im nah geleg’nen Teich.

Die Wipfel rauschten leise
Und breiteten ein Leichentuch aus Wind
Zum Abschied aus
Über der grünen Wiese.

Gedankenlose Menschen!
Schaut mich nicht an mit euren kalten Augen!
Berührt mich nicht mit eurer Mörderhand!
Ihr bringt nur Angst, und Tod, und grenzenloses Leid!

Copyright, Alinya 2009, www.alinya.de
Das Gedicht kann in unveränderter Form kostenlos weiter verbreitet werden.

Ein passendes Video von Youtube:
Reh tot auf einer Drückjagd:
http://www.youtube.com/watch?v=DXJ_OXof1ik&feature=related

 

 


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