Offener Brief an Frau Ministerin Conrad Drucken E-Mail


Wer in den letzten Monaten die Meldungen in der Presse aufmerksam verfolgte, konnte feststellen, dass das nun bevorstehende Großmassaker an den Wildtieren, insbesondere an den Wildschweinen, systematisch bundesweit
vorbereitet wurde. Zuerst zahlreiche Berichte über die "enormen" Bestandszahlen der Wildschweine,gefolgt von der Berichterstattung über die "immensen, in die Millonen gehenden" Wildschäden. Im Januar dann die nächste Runde über die gestiegene Anzahl von Wildunfällen und nun als Schlusspunkt und Supergau: die Schweinepest.

Die gesamte Berichterstattung in den Medien krankte allerdings daran, dass die wahren Gründe schlichtweg nicht genannt wurden, der Bürger aber regelmässig mit Desinformationen gefüttert wurde. Sämtliche Medien liessen
sich unisono vor den Karren populistischer Behörden und der einflussreichen Jägerlobby spannen. Zum Thema " Schweinepest" deshalb nochmal unser Versuch, Licht in das Informationsdefizit zu bringen.

Dazu haben wir folgenden Offenen Brief an die Ministerin für Umwelt und Forsten des Landes Rheinland-Pfalz, Frau Margit Conrad, verfasst.

Den kompletten Brief mit Bilddokumentation finden Sie hier!

 


 

Frau Ministerin Margit Conrad
Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz
Kaiser-Friedrich-Straße 1
55116 Mainz
 

11.03.2009

Offener Brief zu Schweinepest in Rheinland-Pfalz

Sehr geehrte Frau Conrad,

mit Entsetzen mussten wir aus der Tagespresse erfahren, dass sich die Schweinepest in unserer Region wieder auf dem Vormarsch befindet.

Ihnen sind die teils eklatanten Verstöße durch Luderauslagen von Jägern hinlänglich bekannt. Küchen- und Schlachtabfälle, gebratene Hähnchen, Schnitzel, Frikadellen, Wurstwaren etc. sind genau so an der Tagesordnung wie Kadaver von Haus- und Wildtieren, sowie "Abfälle" aus der Jägerei. All dies wird von den Jägern nach wie vor in erheblichem Maße gesetzeswidrig (!) ausgebracht, um Tiere wie Füchse, Wildschweine  etc. anzulocken. Nicht zuletzt durch unsere Arbeit sind Ihnen, wie auch allen anderen relevanten Behörden, Umfang und Ausmaß dieser Fälle bekannt! (siehe auch kurze Bilddokumentation in der Anlage)

Eine Mitarbeiterin des Ministeriums, Frau Dr. Julia Blicke, schrieb dazu bereits am 12.01.2005 an den Landesjagdverband: "... Insbesondere vor dem Hintergrund der letzten Seuchenzüge der Schweinepest bei Haus- und Wildschweinen in Rheinland-Pfalz aber auch vor der Gefahr einer Einschleppung anderer Krankheiten in die Wildpopulation (z.B. Maul- und Klauenseuche) appelliere ich daher noch einmal eindringlich an alle Jägerinnen und Jäger, keine Schlachtabfälle, Speisereste und Aufbrüche von Wildschweinen zum Anködern von Füchsen und Raubwild zu verwenden. ..."

Vor diesem Hintergrund müssen wir zum wiederholten Mal festhalten, dass ein für die Wildtierwelt bedrohlicher Zustand – hier eine gefährliche Bestandsseuche wie die Schweinepest – in erheblichem Maß von Jägern mitverschuldet und selbstproduziert wird. Alles geschieht unter den Augen der Behörden bis hin zu Ihrem Ministerium!

Wie lange wollen Sie hier noch zusehen und sich darauf beschränken zu "reparieren" anstatt vorzubeugen? Mit Verlaub, der "Beigeschmack", dass Sie sich davor scheuen, eine Maßnahme durchzusetzen, welche die Jägerschaft in ihrer Jagdtätigkeit einschränkt, bleibt. Es bleibt der Verdacht, dass Ihnen lieber ist, durch sehende Herbeiführung einer Katastrophe die Jäger in eine "Retterrolle" gleiten zu lassen, um damit deren miserables Ansehen in der Bevölkerung aufzupolieren.

Sehr geehrte Frau Conrad, es ist nicht damit getan eine Verordnung zu verabschieden, sondern diese muss auch kontrolliert und umgesetzt werden! Nehmen Sie sich doch dazu ein Beispiel an Ihren Kollegen aus anderen Ministerien, z.B. dem Verkehrsministerium oder dem Finanzministerium ...
Unsere Dokumentationen scheinen Sie offensichtlich nicht zu interessieren, da weder Sie noch ein Mitarbeiter Ihres Ministeriums die Ausarbeitungen und Hinweise einer Resonanz für würdig erachtet; wir betrachten dies als eine schlechte demokratische Umgangsform.

Es herrschen skandalöse Zustände – wie lange werden Sie noch untätig bleiben und die Gesetzesverstöße tolerieren?



 

 


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