Vogelmord im Mittelmeerraum Drucken E-Mail

 

Vogelmord im Mittelmeerraum

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde und Bekannte !


Voriges Jahr wurde im Fernsehen ein Beitrag von den Naturfilmern Dr. Holger Schulz und Jens-Uwe Heinz, (http://tierfilm.wordpress.com/about/http://festival.natur-vision.de/de/filmprogramm/v.html) gezeigt, in dem der Zugvogelmord in Ägypten dokumentiert wurde. Dieser Beitrag löste einen weltweiten Protest aus, auf politischer Ebene wurde darüber verhandelt, zahlreiche Protestaktionen, sowie Unterschriftensammlungen gingen an die Regierenden in Ägypten.
Vor wenigen Wochen besuchten die beiden Tierfilmer wieder dieses Land um zu schauen, ob es (positive ?) Veränderungen gab. Das Gegenteil war der Fall.

Im Rahmen eines Symposiums und Podiumsdiskussion zur Vogeljagd in Europa und in Nordafrika auf der Jahrestagung der DO-G an der Universität in Bielefeld stellten Sie ihre  Beobachtungen vor.
Die ganze Situation hat sich noch dramatisch verschlimmert !
Die 700 km Netzwand bestehen immer noch, weitere Netzwände kamen dazu und auch im Nildelta entlang des Nils gibt es Fangschneisen. Eine organisierte Mafia fängt die Vögel in Massen, es gibt Logistik für den Aufkauf, Abtransport, Lagerung, Vermarktung etc. Hinzu kommen noch unzählige Kleinbauern, die mit Netzen über den Bäumen die Vögel fangen. Die beiden Tierfilmer erzählten z.B. von über 80 toten Wendehälsen in einer Kiste, hunderten toten Pirolen, tausenden toten Wachteln, Steinschmätzern, und anderen Vögeln. Nach dem Fang werden den Vögeln lebend die Flügel gebrochen oder die Schwungfedern herausgezogen, damit sie länger frisch bleiben und  nicht mehr wegfliegen können.
Bis zu Ihrem tragischen Ende müssen sie also noch dies und andere Folterqualen über sich ergehen lassen.
Ein Mensch, der so mit Tieren umgeht, ist kein Mensch sondern ein Monster!

Man schätzt allein in Ägypten die Zahl auf 140 Millionen gefangener Vögel im Jahr ! Und das ist nicht nur in Ägypten so, auch die anderen Anrainerstaaten fangen und schießen in Mengen die paläarktischen Zugvögel ab. Ähnliche Verhältnisse findet man z.B. auch in Ländern der EU, wie Frankreich, Spanien, Italien, Albanien, Griechenland, Zypern oder Malta. 
In Frankreich werden z.B. jährlich geschätzte 25% der dort durchziehenden Kiebitze oder die seltenen Ortolane sowie viele andere Vögel gefangen oder geschossen.  Ähnliches passiert leider auch in vielen anderen Ländern auf der Erde, besonders die Länder in Südostasien sind dafür berüchtigt. Jedes Jahr weltweit milliardenfacher Tod von Vögeln und anderen Wirbeltieren, die Listen des Grauens sind endlos!
Nicht nur, dass die Tiere unter Nahrungsmangel und Habitatverlust leiden, in unseren von der Spezies Homo sapiens technisch völlig überprägten Landschaften z.B. an Straßen, Fensterscheiben, Energiemasten, Windrädern etc. zu Tote kommen, nein sie werden auch noch massiv bejagt, keine Population kann solche Ausblutungen kompensieren. 

So kann und darf es nicht weitergehen !!!
Hinzu kommt ein weiterer Fakt, ein wichtiger ethischer Aspekt.
Niemand hat das Recht, Tiere, wie diese Zugvögel einfach aus der Natur zu entnehmen und diese nach Gutdünken zu behandeln oder zu verwerten. Tiere sind nichts nachgeordnetes, mit denen der Mensch verfahren kann, wie er will !
 
Betrachten wir doch einmal die Rolle des Menschen in dem System Erde. Wir alle sind gleichberechtigte natürliche Arten, eine anmaßende Vormachtstellung der Spezies Homo sapiens die dieses Fangen und Töten rechtfertigen könnte, ist durch nichts zu begründen. Die moderne Wissenschaft lehrt uns, dass es zwischen den menschlichen und nicht-menschlichen Tieren - die Definition moderner Philosophen - keine prinzipiellen sondern nur graduelle Unterschiede gibt.  Neuste wissenschaftliche Forschungen belegen dies.  Alles, was der Mensch meint, ihn unter allen Lebewesen einzigartig zu machen, finden wir auch in der einen oder anderen Form im Tierreich wieder.  Z.B. sind Freude, Trauer Empathie oder kognitives Denken keine nur menschliche Eigenschaft sondern auch im Tierreich zu finden.  Nur weil wir vieles über die Tiere noch nicht wissen heißt das noch lange nicht, dass Tiere dümmer oder schlechter sind als wir.
Im Gegenteil, die meisten Tiere verfügen über Fähigkeiten, zu den der Mensch niemals imstande wäre. Insofern ist unser Verhalten den Tieren gegenüber wie oben geschildert  kein Kavaliersdelikt sondern ein ein schweres Verbrechen !!!
Tiere sind neben uns Menschen gleichberechtigte Lebensformen auf unserer Erde!

Dieser von Menschen gedanken- und rücksichtslos betriebene  Genozid an natürlichen Arten findet seine Gleichnisse nur in den Gräueltaten der Nazis gegenüber den Juden im Dritten Reich und ähnlichen finsteren Ereignissen in der Geschichte und Gegenwart !
In den o.g. Beispielen haben sich anthropozentrische, speziesistische und z.T. sadistische Vertreter der Spezies Homo sapiens in Mordkollektiven versammelt, in denen sie schon fast orgiastisch das töten, was Ihnen gar nicht gehört, nicht aus einer Not heraus sondern an der Lust zu töten und um damit Geld zu verdienen!
Diese Menschen sind keine Jäger im herkömmlichen Sinne, sie fangen und töten mit unfairen Methoden diese Tiere. 
Der Spruch: "Vor Gott sind alle Menschen gleich" muss, wenn schon ein fiktiver Gott ins Spiel gebracht wird, richtig heißen: "Vor Gott sind alle Arten gleich"!
Der Mensch hat sich in den letzten Jahrhunderten, um vor sich und seinen Schandtaten zu bestehen, ein komplexes Netz an Halbwahrheiten und Lügen aufgebaut, um sich selbst einzureden, das alles, was er tut richtig ist und einen "vernünftigen" Grund hat. Nichts davon ist wahr!
Was macht der Mensch, welche Rolle erfüllt er im Ökosystem Erde?

Neben den "normalen" Vorgängen Essen, Trinken, emittieren von Treibhausgasen, feste und flüssige Ausscheidungen etc., verbrauchen wir mehr, als uns zusteht und wir eigentlich brauchen, wir verbauen den Planeten mit unseren Häusern und unserer Infrastruktur, plündern den Planeten, graben ihn aus der Suche nach Rohstoffen wie Gold, Diamanten etc. um, nur um unser Geltungsbedürfnis zu befriedigen, leben z.T. im Luxus, wir zerstören Lebensräume, rotten Arten aus, vergiften die Biosphäre, belasten die Luft und die Meere mit CO2 und anderen Klimagasen, wir morden und zerstören, die Liste der menschlichen Schandtaten ist lang! Kein Tier macht so etwas, Tiere nehmen nur soviel, wie sie zu tatsächlichen Leben brauchen und erfüllen mit ihren Dasein eine wichtige Rolle im gesamten Ökosystem. Im Gesamtsystem Erde schlägt aber der Mensch durch seine Anzahl und sein Tun von allen Arten am negativsten zu Buche!
Vor diesem Hintergrund ist jeder einzelne Vogel,  der da gefangen wird, für das Ökosystem Erde wertvoller als einer und erst recht als 1000 von denen, die sie umbringen, wertvoller als wir, die diesem Treiben tatenlos zusehen! 
Wir wollen das nur nicht anerkennen, halten uns für die Wichtigsten. Aber diese Auffassung wird uns in einen Abgrund stürzen.
Besser für alle wäre wenn der Mensch, der ja von sich behauptet das klügste Lebewesen auf unseren Planeten zu sein, erkennen würde was seine wirkliche Stellung im System Erde ist und sich selbst begrenzen, nur das verbrauchen was er wirklich zum Leben braucht. Aber die 7 Todsünden ( http://de.wikipedia.org/wiki/Tods%C3%BCnde) die schon seit Jahrtausenden bekannt sind,  hindern uns daran.
Während die Menschheit die technische Weiterentwicklung unaufhaltsam vorantreibt, macht sie ethisch und moralisch eine Rückwärtsrolle nach der anderen in dieser Beziehung haben wir einen Entwicklungsstand wie in der Altsteinzeit !
Der Unterschied zu heute ist aber der, dass es zu dieser Zeit weniger als ein Tausendstel im Vergleich zur heutigen Bevölkerung an Menschen gab, dafür aber ca. 1000 mal mehr Vögel als heute.

Wer aus solch niederen Beweggründen heraus ohne Not hochentwickelte Arten wie die Vögel, die es schon 170 Millionen Jahr länger auf der Erde gibt, als den Menschen ist als ethisch-moralisch und geistig verkümmert zu betrachten und eine Allgemeingefahr für alles Leben auf der Erde. 
In meinen Augen sind das deshalb keine Menschen wie die meisten von uns, das sind feige Mörder, als solche müssen sie benannt und behandelt werden !
Sie schaffen unsägliches Tierleid, sie töten nicht nur diese Tiere, sie nehmen uns weg, was alle noch brauchen, die Artenvielfalt.
Aus diesen Gründen heraus ist sofortiges und umfassendes HANDELN aller Politiker und sonstigen Entscheidungsträger in allen Ländern der EU unbedingt erforderlich.
Niemand kann und darf sich dieser Verantwortung entziehen, selbst  wer schweigt, macht sich mitschuldig !  Ich fordere hiermit alle Politiker in allen EU-Ländern parteiübergreifend auf, sich diesem Morden entgegenzustellen, nur aus politischem Kalkül heraus Zugeständnisse an solche „Jäger“ oder  diese Länder zu machen, ist nicht nur gefährlich, kontraproduktiv und falsch, jeder Politiker stellt sich damit wie oben schon festgestellt, selbst ins Abseits.
In dieser Frage gibt es keine Stimmenthaltung, wer dagegen ist, unternimmt etwas, wer schweigt, schützt die Täter !

Deshalb bitte ich alle, die diese Zeilen jetzt lesen, schließen Sie sich diesen Protest an, gehen Sie an die Entscheidungsträger, an die Politiker, an die Öffentlichkeit, an die Medien !
Diese unsägliche Töten von Tieren wie in diesem Fall den Zugvögeln muss endlich ein Ende haben, wir können uns es nicht leisten, weiterhin unsere Vogelarten zu verlieren! 


Folgende Vorschläge kann ich hierzu unterbreiten:
Politische und wirtschaftliche  Aktivitäten:
- Protestnoten aller Staaten an die ägyptische und libysche Regierung sowie auch an die anderen Regierungen der Länder, in denen eine ungezügelte Nachstellung und Jagd stattfindet.
- Einbestellung der Botschafter in die einzelnen Länder, ernsthafte Aussprachen und Übergaben der Protestnoten.
- Ungehindertes Zugangsrecht von unabhängigen Beobachtern, Journalisten und Umweltschutzverbänden in alle Gebiete zur Überprüfung und Kontrolle, Schutz der Beobachter durch Polizei/Militär.
- Umsetzen des Verbotes des Fangen, Schießen und Töten von Zugvögeln, Einrichtung einer eigenen Umweltpolizei, die permanent dagegen vorgeht.
- Verbot von Netzen, Gewehren und anderen Vogelfanggeräten, Beschlagnahme und Zerstörung aller Fanggeräte, Konfiszierung aller Fahrzeuge, Materialien und Gewehre, die zum Vogelmord und deren weiteren Verarbeitungsstufen benutzt wurden.
- Strenge Bestrafung der Drahtzieher, Gefängnisstrafen und hohe Geldstrafen. Veröffentlichung der Namen von korrupten Politikern, die das zulassen sowie von den Vogelmördern Händlern etc. Damit meine ich auch Bremser innerhalb der EU!!!
- permanente Kontrollen auch von Hehlern, Lagern, Märkten Gaststätten etc.
-Weltweites Verbot des Verkaufes von Vogelfangnetzen an Privatpersonen, nur zugelassenen Institution und Forscher für wissenschaftliche Zwecke dürfen diese verwenden.

Werden diese Maßnahmen nicht unverzüglich umgesetzt, dann
- Aufruf zum Tourismusboykott von Ägypten und anderen Ländern, für die der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle ist und die ebenfalls sich am Vogelmord beteiligen.
- Harte Wirtschaftssanktionen, sofortiges Exportverbot für Waffen und
  Hochtechnologie,
- Einfrieren ägyptischer Konten und sonstigen Kapitals im Ausland,
- Einreiseverbote für verantwortliche Politiker und Vogelmörder in die EU.

Bildungs- und Aufklärungsarbeit:

- Überall Bekanntmachung dieses Skandals!
-Schalten von großen ganzseitigen Anzeigen in den arabischen Tageszeitungen , die über die Wichtigkeit und Bedeutung der Vögel aufklären und deren Fang öder Töten verurteilen.
- Informationsblätter in allen öffentlichen Einrichtungen, Schulen etc.
- Unterstützung aller progressiven Kräfte im Lande, die auch gegen den Vogelmord sind.  
- Einrichtung einer speziellen Homepage zum Vogelmord im Mittelmeerraum in allen Sprachen (auch arabisch), in der Aufgeklärt wird, alle Aktivitäten genannt und koordiniert werden, die Schuldigen mit Name und Hausnummer veröffentlicht werden etc.
Das was für Ägypten gilt, gilt natürliche auch für alle anderen Länder. Sicher kann man innerhalb der EU nicht die eigenen Leute ausweisen, aber die Mitgliedsstaaten die dagegen nicht unternehmen zu äußerst empfindlichen Geldstrafen verurteilen, das geht.
Weiterer Vortrag bleibt vorbehalten.


Beste Grüße
Lutz Reißland
www.natur-projekte.de  
 
Links zu den  Ereignissen:
http://www.nabu.de/tiereundpflanzen/voegel/zugvoegel/jagd/aegypten/15708.html
http://og-bayern.de/?page_id=3116
http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Umwelt/Aktionsplan-gegen-Zugvogelmord-in-Aegypten-und-Libyen_article1386256100.html
http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.tierquaelerei-skrupelloser-vogelmord-endstation-aegypten.d3203084-b5e9-4848-91fd-57babf17ae53.html
http://tierfilm.wordpress.com/2013/04/25/zugvogelmord-in-agypten/
http://www.euronatur.org/Vogeljagd-Balkan.1143.0.html

 


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© Gunter Bleibohm

S c h a n d e. - Bedenke, wenn du irgendwo in der Natur sitzt, wie viele Lebensformen du sofort siehst: Hunde, Eidechsen, Ameisen, Bienen, du hörst Vögel und siehst Katzen, Pferde, Schafe und Menschen.
Bedenke nun, dass jede Lebensform, jede Gruppe die Welt anders sieht, wahrnimmt, wertet, organisiert und zum Gesamtwesen der Welt seinen Beitrag leistet.
Bedenke zum Schluss die Rolle des Menschen im gesamten Naturgeschehen und du wirst Schreckliches feststellen, wirst vor Scham und Schreck die Augen niederschlagen.

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