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vom 4. August 2016
 
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Liebe Freunde der Tiere,
 
heute wenden wir uns in unserem Newsletter mit zwei Themen an Sie: ein theoretisches Thema und ein praktischer Tierschutzfall. Bevor wir zu den Äffchen Pina und Suki kommen, geben wir Ihnen einen Text von Karim Akerma an die Hand, der sich mit der Frage beschäftigt, ist der Vegetarismus ein Antinatalismus?

Je mehr Vegetarier es gibt, desto weniger Tiere werden gezüchtet, geboren, gemästet und dorthin transportiert, wo man sie schlachtet. Was würde nun passieren, wenn alle MenschenVegetarier wären? Bestimmte Tierrassen wie das Hausschwein stürben aus. Aus dieser Konstellation lässt sich folgender Vorwurf gegen Vegetarier erheben:

Ihr seid nur scheinbar für die Tiere. In Wahrheit seid ihr gegen sie, denn ihr verhindert millionenfach, dass sie überhaupt zur Welt kommen. Euer Verhalten ist unmoralisch, da es zum Aussterben ganzer Rassen oder Arten führen kann! Wir Fleischesser hingegen sorgen mit unserer Nachfrage dafür, dass mehr Tiere das Licht der Welt erblicken als ohne uns der Fall wäre. Wir sind für das Leben – ihr seid verkappte Antinatalisten, da ihr bewirkt, dass Tiere gar nicht erst gezeugt und geboren werden.

Holen wir etwas weiter aus: Menschen sind aus mancherlei Gründen Vegetarier: Manche mögen kein Fleisch, andere glauben, dass es für sie selbst gesünder ist, ohne Fleisch oder tierische Produkte auszukommen. Ästhetische oder kulinarische Vegetarier und Gesundheitsvegetarier essen aus selbstbezogenen Gründen kein Fleisch. Bei der Mehrheit aller Vegetarier handelt es sich indes um Personen, die aus ethischen Gründen auf den Fleischverzehr verzichten.
Ethischen Vegetariern geht es nicht in erster Linie um sich selbst, sondern sie berücksichtigen Tiere (und ökologisch gesehen auch Menschen) als leidfähige Wesen. Sie stellen ihren Fleischkonsum ein, oder wurden von ihren Eltern fleischlos erzogen, weil bekannt ist, dass Fleischkäufe leiderzeugende Handlungen sind: Jeder Fleischkauf hält das grausame Getriebe aus Zucht, Mästung, Transport, Schlachtung und Sterben von Tieren in Gang. Die Wertprämisse des ethischen Vegetarismus ist der Umstand, dass Handlungen zu unterlassen sind, die Tierleid nach sich ziehen. Wären Tiere keine leidfähigen Wesen, so wäre der Fleischverzehr zwar nach wie vor ein ästhetisches Problem, aber kein ethisches.

Personen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, um tierliches Leid in der Welt zu vermindern oder gar nicht erst aufkommen zu lassen, sollten nicht nur auf die untenstehende Frage 1 vorbereitet sein, sondern auch auf Frage 2:
Frage 1: Wenn sich alle so ernähren würden wie du, dann würden bestimmte Zuchtrassen wie das Hausschwein mittelfristig aussterben – willst du das wirklich?
Frage 2: Wenn du möchtest, dass es möglichst wenige leidende Tiere gibt, musst du dann nicht wollen, dass es gar keine leidfähigen Tiere mehr gibt? Wäre es dann nicht am besten, wenn alle Tierarten ausstürben, deren Exemplare schmerzempfindlich sind?

Diese beiden Fragen erfassen die Wertprämisse des ethischen Vegetariers in ihrem ganzen Umfang und wollen ihn damit ad absurdum führen. In solchen Situationen werden Debatten häufig unsachlich. Bewahren wir also kühlen Kopf: Beide Fragen sind völlig legitim. Eine ethisch handelnde Person ist eine Person, die nicht mal so, mal so handelt, sondern sich Rechenschaft über ihr Handeln ablegt, indem sie auf der Basis eines übergeordneten Grundsatzes handelt, den sie argumentativ überzeugend findet. Wenn der übergeordnete Grundsatz lautet: Handle nach Möglichkeit so, dass möglichst wenig tierliches Leid in der Welt ist, dann beansprucht dieser Grundsatz – wenn es denn ein Grundsatz sein soll – über den Kontext der Ernährung hinaus Gültigkeit. Statt sich ad absurdum geführt zu fühlen, kann und sollte unsere vegetarische Person in aller Seelenruhe antworten:

Antwort 1: Wenn dieses Aussterben auf möglichst leidfreie Weise vonstatten geht, dann kann ich es nur befürworten.
Antwort 2: Tatsächlich wäre ich sehr dafür, dass alle leidfähigen Tiere aussterben. Milliarden Tiere leiden nicht nur unter den Ernährungsgewohnheiten der Menschen, sondern auch, weil Raubtiere Jagd auf sie machen, sie verletzen und töten und weil zahllose Tiere unter Parasiten, an Krankheiten, Hunger und Durst leiden. Und auch das Leben der Raubtiere ist kein Tanz auf Rosen.

Ist für den ethischen Vegetarismus der Grundsatz maßgeblich, dass es möglichst wenige leidende Tiere geben soll, so spielt es keine Rolle, ob das tierliche Leid von Menschen oder anderen Tieren, Parasiten oder durch Krankheiten verursacht wird. Zwar hinterlassen manche Raubtiere bei uns Menschen einen starken ästhetischen Eindruck; bei ihren Jagdopfern bewirken sie Panik, sie hinterlassen schwere Verletzungen und Schmerzen. Bekanntlich ist nicht jede Jagd erfolgreich, und manche Räuber, wie Hyänen, fressen ihre Opfer bisweilen bei lebendigem Leibe auf, ohne sie zuvor zu töten. Wenn wir wollen, dass es wunderbar anzusehende Tiger oder Löwen gibt, so wollen wir zugleich, dass sie sich artgemäß ernähren – was für ihre Beutetiere nichts Gutes verheißt.

In der Tat führt die Wertbasis des ethischen Vegetarismus: es soll möglichst wenig tierliches Leid geben, geradewegs in den Antinatalismus. Er ist also denkbar ungeeignet, wenn er als Vorwurf gegen Vegetarier gerichtet werden soll. Der Antinatalismus ist eine Moraltheorie, derzufolge in jeder gegebenen Situation so zu entscheiden und zu handeln ist, dass möglichst wenige oder keine leidfähigen Wesen entstehen. Ethischer Vegetarismus und Antinatalismus gründen auf ein und derselben Wertbasis. Sie sind morallogisch eng verwandt und, über alle Speziesgrenzen hinweg, ineinander überführbar. Stellen wir uns einen Antinatalisten vor, der Fleisch konsumiert. Auf den Vorwurf, dass er mit diesem Verhalten dazu beiträgt, dass immer neue Tiere in ein leiderfülltes Dasein gezüchtet und geboren werden, wüsste er vermutlich kein überzeugendes Gegenargument. Er müsste bekennen, dass sein Antinatalismus nicht sonderlich konsequent ist. Umgekehrt sollten sich Vegetarier vor Augen führen, dass sie ihren Grundsatz (es soll möglichst wenige leidende Tiere geben) nur dann konsequent beherzigen, wenn sie sich zugleich für den Antinatalismus aussprechen: Wenn sie also die Aussage unterschreiben, dass stets so gehandelt werden sollte, dass möglichst wenige leidensfähige Tiere (ganz gleich ob Nutztiere oder wildlebende Tiere, Pflanzen- oder Fleischfresser) zu leben beginnen.

Dass der Antinatalismus morallogisch im Vegetarismus angelegt ist, erhellt auch dann, wenn wir einen seit einer Reihe von Jahren beliebten Vorwurf gegen strenge Vegetarier ins Auge fassen. Man versucht, Veganer mit dem Argument zu demoralisieren, auch ihre Ernährung sei ja gar nicht so gewaltfrei, wie sie selbst immer meinen: Auch ihr Getreide muss angebaut und dafür der Boden umgepflügt werden, wobei neben zahllosen Wirbellosen auch viele hochentwickelte Säugetiere – nämlich Mäuse – ums Leben kommen. Dies ist eine unbestreitbare Tatsache. Ebenso unbestreitbar wie die Tatsache, dass der betreffende Veganer nicht gefragt wurde (und nicht gefragt werden konnte), ob er zu existieren beginnen wollte. Seine Eltern bewirkten seine Existenz. Einmal auf der Welt, muss er sich wohl oder übel ernähren (oder verhungernd zum suizidären Vegetarier werden). Mittels veganer Ernährung kann er jedoch versuchen, seine Leidspur, seinen leidhinterlassenden Fußabdruck, zu minimieren. Und wenn er im Sinne der antinatalistischen Moraltheorie nachkommenlos bleibt, leistet er für die Umwelt, die Tiere und die bereits existierenden Menschen vielleicht den größten Beitrag, den ein Einzelner leisten kann. – Wenn wir nämlich auf die Ressourcen blicken, die zumal in Industriegesellschaften hineingeborene neue Menschen beanspruchen.

Übrigens gibt es für die Kombination aus Vegetarismus und Antinatalismus seit Jahrtausenden ein Vorbild in der Wirklichkeit: Die wesentlich antinatalistisch eingestellte und deswegen kleine Gemeinschaft der indischen Jainas. Ihr Gründer, Mahavira, war ein Zeitgenosse Buddhas. Jainas leben das Prinzip der Gewaltlosigkeit (Ahimsa) und leben somit – anders als viele Buddhisten und Hindus – vegetarisch. Manche Jainas ernähren sich nur von herabgefallen Früchten. Für sie muss kein Pflug in Bewegung gesetzt werden.


Soweit die Ausführungen von Akerma. Den Text von Karim Akerma finden Sie auch hier: http://www.pro-iure-animalis.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1655&Itemid=122
 
 
Nun zu dem praktischen Tierschutzfall:
 
Die beiden Äffchen Pina und Suki brauchen Hilfe!

Die kleinen Äffchen haben durch traurige Umstände ihr altes Zuhause verloren. Pina ist ein Weißgesichtseidenäffchen und Suki ein Weißbüscheläffchen. Die beiden sind ca. fünf Jahre alt und unzertrennlich.

Die beiden Äffchen wurden vor ca. 4 Jahren von einer Tierschützerin aus schlechter Haltung gerettet. Diese muss nun ihr altes Zuhause verlassen und darf die Kleinen nicht mit in ihre neue Wohnung nehmen. Daher musste sie sich schweren Herzens von ihren Äffchen trennen. Andrea Ilges von pro iure animalis hat sich mit in die Suche eingeschaltet. So wurde nun nach 1 1/2 Jahren intensiver Suche ein liebevolles und artgerechtes Zuhause für die beiden gefunden.

Die Tierschutzstation für Exoten, Wild-und Kleintiere der AKT (Aktion konsequenter Tierschutz - http://www.akt-mitweltethik.de) hat die Äffchen übernommen. Pina & Suki durften bereits in ihre neue Anlage einziehen.

Den beiden wurde vorerst eine geräumige Anlage provisorisch zur Verfügung gestellt. Doch damit die beiden dauerhaft in einer adäquarten Anlage leben und sich entfalten können ist ein Umbau dringend erforderlich. Mit den Geldspenden wird die bisherige Leguan Anlage zu Pina und Suki`s neuem Lebensraum umgebaut. Hierzu müssen die Grünen Leguane jedoch in die Tropenhalle verlegt werden, was dort den Bau einer neuen Anlage ebenfalls erforderlich macht. Auf dem Dach des Vorbaus sollen die Krallenäffchen ihre Freianlage bekommen, in die sie durch das Dachfenster über ihrer Innenanlage mühelos gelangen können.

Dazu werden finanzielle Mittel benötigt! Dabei ist AKT auf Spenden angewiesen, um die erforderlichen Umbauarbeiten zeitnah für die beiden Äffchen zu leisten.

Zu diesem Zweck wurde bei betterplace.org ein Spendenaufruf eingerichtet. Diesen finden Sie hier: https://www.betterplace.org/de/projects/46865?utm_campaign=ShortURLs&utm_medium=project_46865&utm_source=PlainShortURL
Bei betterplace.org finden Sie auch Informationen zu dem Fortschritt des Projekts.

Der Umzug zu Akt war für die beiden schon schwer genug. Damit sie schnell in ihren endgültigen Lebensraum umziehen können, muss der Umbau möglichst bald umgesetzt werden.

Damit das Projekt möglichst rasch umgesetzt werden kann, wird nun Ihre Hilfe benötigt!

Wir freuen uns auf eure Mithilfe - Pina & Suki, danken euch schon im Voraus!
 
Herzliche Grüße
für pro iure animalis
 
Dr. Gunter Bleibohm und Harald Hoos
 
 
Weitere Infos unter:
www.pro-iure-animalis.de

 
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Kontakt:
Dr. Gunter Bleibohm
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