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NATURSCHUTZ

Kaninchen und Reh leben in Deutschland und werden von dem Naturschutz gehegt und mit Mühen dem Leben erhalten. Wie zu erwarten steht, angesichts der hehren, selbstlosen Aufopferung, Büsche und Bäume zu erhalten und für Grünbrücken zu streiten.

An Sprösslingen darf nicht genascht werden. Jungbäume sind wichtiger als Säugetiere. Am Waldrand sollte nicht geäst werden, da der durch Pflanzen"schutz"gifte verseucht ist. Auf Lichtungen und Wiesen darf nur nachts gegessen werden, da tags Wanderer Steine schmeißen, Hunde hetzen und Büchsen knallen. Nachts kommt der Jäger, um zu regulieren. Tag und Nacht ist den Schlag- und Drahtfallen zu entgehen. Wenn das Reh dem Fuchs entwachsen ist, muß es diesen nachts nicht fürchten. Dem Kaninchen geht es schlechter. Tags freilaufende Hunde, wildernde Katzen, lauernde Fallen, schießende Jäger, mit Kinderklappern ausgestattete Treiberlümmel, Knüppelschmeißende Wanderer. Die Wege und Strassen, alle paar Meter, dürfen nicht überquert werden. Bäche sind kanalisiert, Flüsse einbetoniert, Wasser ist knapp. Der Bau und das Nachtlager müssen ständig verlegt werden, dem Bagger und der Kettensäge auszuweichen.

Im Herbst darf das Kaninchen überhaupt nicht mehr essen, weil dann die Mikroben, die der Mensch gezüchtet und verstreut hat, virulent in Blättern, Gras und Mückenstichen sind. Myxomatose. Ohne Sanitäter, Arzt und Lazarett. (dem jämmerlichem Menschen gar nicht vorstellbar) Im Winter sollten beide stündlich den Pfad wechseln, da auf ihrer Fährte gefolgt wird. Für viele Fährten wird viel Platz benötigt, der nicht geboten wird. Zäune. Allüberall Zäune. Stacheldraht. Ein Kratzer und das Ende folgt durch Wundstarrkrampf.  Zäune verbieten Flucht, da sie leicht zu Fallen werden, aus denen es keinen Ausweg mehr gibt. Felder sind ausgewiesene Todeszonen voller Gift und mörderischer Mähdrescher. Wer krank ist, eine Schwäche zeigt, wird nicht geschont, sondern getötet. Und nachts kann aus jeder Richtung jede Minute die Kugel kommen, die den Lauf abreißt, die Bauchdecke aufreißt und das Gedärm herausreißt. Aber auch dann ist kein Entkommen bis zum anstehendem Exitus, denn der Jäger nutzt den Hund, dem Sterben nachzuhelfen.

Sturm, Regen, Kälte, Durst, Schnee, Frost, Hunger.

Manch ein Kaninchen, manch ein Reh, würde der Einquartierung in den Massenhaltungsbetrieb den Vorzug vor dieser freien Natur einräumen, um wenigstens ein paar Monate in relativem Frieden leben zu können. Sich wenigstens unter der Glühbirne sonnen zu können. Denn sie sind Tagestiere und wurden erst zu Nachttieren, als Mensch kam, die Natur zu verwalten. 

Es gibt keinen Rückzugsort. Keinen Schutz. Keine Ruhe. Keine Erholungspause. Kein Schlaf ohne Todesangst. Es gibt nur Furcht. Lebenslange Todesfurcht. Das ist unsere Natur.

Jedes Minenfeld, den Kriegskontrahenten zu zerfleddern, ist eine wahre Erholungsstätte  im Vergleich mit dem, was unter Natur im zweiten Jahrtausend zu verstehen ist.  Da herrscht wenigstens in Abwesenheit von Schußlicht Schonzeit.

Man sollte meinen, dass dieses Scenario auch den Naturschützer befriedigen kann. In Gegenteil. Naturschutz steht für die Verwandlung der Hölle in eine Superhölle. Unter fulminantem Beifall der Medien wurden alle Arten Greifvögel beschafft, die bis dato noch vorhandene Luftsicherung zu beseitigen. Dem Kitz ist zu raten, das Kornfeld zu meiden, denn der Adler schaut von oben zu. Dem Kaninchen gereicht die Mulde und das hohe Gras nunmehr dazu, von oben unversehens aufgespießt zu werden.

Hernach folgte die Entdeckung der Wildkatze; dann des Pumas, für größere Kaliber.

Auch diese unermessliche Steigerung des Terrors in unserer Natur hat freilich unsere Naturschützer nicht befriedigt. Es muß bis zur Weißglut gehen. Der Wolf wird beschafft. Damit auch größere Tiere, dem Kitzenalter entwachsene Rehe und Hirsche, den Schafen und Ziegen, jeweils vor der Schächtbestimmung, den Kuhkälbern, den Fohlen, das menschliche Verständnis von Natur nahe gelegt werden kann.   

Naturschützer sind in einem Atemzug mit Tiermästern, Schlachtern, Tierversuchlern, Jägern, Fischern, zu benennen, ohne einen Abstrich zu machen. Die Masse der Naturschützer ist ein naiver Haufen, der von Wenigen Indoktrinateuren gezielt auf der geistigen Ebene von Jägern, Lustmördern, und Tierschindern missbraucht wird. Abschaum.

Die Altvorderen haben in weiser Voraussicht in jahrzehntelanger Bemühung den Wolf ausgerottet. Und die Landschaft vor Zerteilung durch Stacheldraht bewahrt.

Naturschützer und Politiker heißen ihn wieder willkommen und feiern den aktuellen Bestand von circa vierhundert. In zehn Jahren werden viertausend erwartet. Freudig, von Naturschützern und Politikern. Beide eint die Leidenschaft und die Betätigung des Jagens. Und beide wissen um die Bedeutung des Wolfes als Berechtigung des Jagdwesens in einer Zeit, wo dieses von breiten Bevölkerungsschichten infrage gestellt wird. Der Wolf ist die Garantie für den fortdauernden Bestand der Jagdgenossenschaften. 

Deiche sind ohne Beweidung nicht erhaltbar. Deiche sind im "Wolfsmanagement" zu "Wolfsfreien Zonen" erklärt worden. Deiche gibt es überall. Folglich ist die Ausrottung der Wölfe in fortgeschrittenem Stadium. Zartbeseitete Seelen müssen das ja nicht wissen.

Wolfsfeste Zäune sind Festungen und unbezahlbar. Sie würden aus der Republik ein engmaschiges KZ machen. Herdenhunde gegen Wölfe sind Relikte aus der Märchenfibel und Kleinkindern vor dem Schlafen zu erläutern.

Daß der Mensch grenzenlos dumm ist, ist schon in der Antike aufgefallen. Aber Blödheit ist das Resultat evolutionärer Entwicklung. Und die Wiedereinführung dieser Raubtiere ist mit lapidarer Blödheit unvollkommen erklärbar.

 

Bernd Wolfgang Meyer

 


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