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Stille Nacht
von  Liane Ludwig

Das große Gemetzel ist zu Ende. Das Kreischen und das Grölen haben
aufgehört, das Röcheln der Abgeschlachteten ist verstummt. Das
waren die Besten des Jahres! Speziell gezüchtet um ein Alter zu erreichen,
in dem ihre Leiber etwas fest, aber noch sehr zart sind.
Alle noch Kinder, viele erst Säuglinge.
 

Die Großen wehrten sich verzweifelt, haben geschrien und in blinder Panik
versucht zu flüchten. Schnell stellte man sie mit Elektroschocks und Schlagstöcken
ruhig...bis sie vor Schmerz und Erschöpfung nur mehr leise wimmern konnten. 
 

Andere fügten sich, still, mit vor Entsetzen rollenden Augäpfeln und der
Ohnmacht nahe.
Wieder andere waren bereits zu starr und schon jenseits der Angst, als dass sie noch etwas realisiert hätten.

Bis das Blut aus ihrer durchgeschnittenen Kehle spritzte.. Bis die
Exkremente flossen und bis irgendwann die Todeszuckungen aus waren.

Endlich. Jetzt sind alle abgestochen und ausgeblutet, fertig gemordet.
Die Räume und die Geräte glänzen vor Sauberkeit.
Bloß noch dieser widerwärtige Gestank im Hirn. Urin, Kot,
Schleim, Blut..alles fließt. Das ungelebte Leben. Die niemals
empfundene Freude. Die nie erfahrene Geborgenheit

Jetzt liegen die Kadaver bereit - säuberlich zerstückelt und zerhackt,
schön verpackt, manche mit kecken Maschen dekoriert.
Kilometerlange Kühlregale – auf mehreren Ebenen bieten sie die Leichen dar,
in abertausenden Geschäften, Millionen davon.

Leise Musik begleitet die Szenen, glückliche Leute lächeln sich an - dem
Stress trotzend! - alles glitzert und leuchtet. Es ist eine zauberhafte
Zeit in einer zauberhaften Welt!

Der Großteil der Toten liegt schon auf den Tischen oder schmort
noch im Ofen. Der Blutgeruch ist verblasst,, die Farbe und
Konsistenz des Fleisches nur mehr eine lästige Erinnerung, der
Geschmack des Todes wurde meisterhaft verformt – den Könnern und Gewürzen
sei Dank.

Nichts steht uns jetzt noch im Weg...das Fest der Liebe kann beginnen!

Die Familie vereint sich um den Tisch, auf dem das warmes Kerzenlicht leuchtet.
Die sorgfältig zubereiteten Stücke der Verstorbenen werden nun manierlich
gemeinsam, mit Genuss und Feingefühl verzehrt. Alle sind von gegenseitiger Zuneigung
ergriffen. Die Augen der Kleinen strahlen ungetrübt, die der Eltern
und Großeltern sind von Tränen der Rührung und der Freude
erfüllt!.. Die Speicheldrüsen gehen über, die Bäuche sind
zum platzen voll mit dem zarten, jungen, toten Fleisch..

Reine Liebe und Glückseligkeit durchströmt alles! Es wird gesungen und dem Schöpfer
gepriesen, dem Gott, der das Mitgefühl und die Anteilnahme in die Welt
gebracht hat! Jeder fühlt sich als ein kleiner Teil dieses
unaussprechlichen Wunders, ein kleiner Teil voller Hoffnung, Vertrauen
und Demut... Die Welt herum ist friedlich und vollkommen..

Ich seh`s mir an.

Die Luft ist aus Stahl...läßt sich nicht atmen.

Ich bin ganz still. Wie die Nacht

 

 

 

 


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