Jäger machen mit der „Hege und Pflege“ kräftig Kasse Drucken E-Mail

 

Deutscher Tierschutzbund, Landesverband Saarland – Presseinformation vom 11.02.2014

Jäger machen mit der „Hege und Pflege“ kräftig Kasse

Über 200 Millionen Euro werden jährlich umgesetzt

Über 200 Millionen Euro setzen die Deutschen Hobbyjäger pro Jahr durch den Verkauf von erlegtem Wild in unseren Wäldern um. Alleine in der Jagdsaison 2012/13 haben die Jäger in Deutschland mehr als 28.000 (!) Tonnen heimisches Wildbret vom Schalenwild auf den Markt gebracht. Dies geht aus der aktuellen Statistik des Deutschen Jagdverbandes hervor. Das sind 3000 Tonnen mehr Wildfleisch als noch vor zwei Jahren! „Ein sehr lukrativer Nebenverdienst für diejenigen, die unter dem Deckmantel der ’Hege und Pflege’ sich doch allzu gerne Alibi-mäßig für Tier und Natur einsetzen und angeben, die Tiere schützen zu wollen“, kritisiert der Vorsitzende des Deutschen Tierschutzbundes im Saarland, Werner Kirsch.

Jagd: Auch wirtschaftliche Interessen eine treibende Kraft?

„Unsere Aufgabe ist, den Bestand der Wildtiere in den Wäldern zu regeln“ – so lautet das vielgebrachte Argument der Jäger. In Wirklichkeit nutzen die Grünkittel, die gerade einmal 0,3% der Bevölkerung ausmachen, jedoch ihr lebensverachtendes Hobby dazu, kräftig Kasse zu machen. „Es bleibt aber nicht nur bei den 28.000 Tonnen Wildschweinen, Hirschen und Rehen“, so Kirsch. „Auch 400.000 Wildenten, 150.000 Fasanen, mehr als 300.000 Hasen und 250.000 Wildkaninchen wurden im vergangenen Jahr erlegt und landeten zum Verkauf in den Kühlhäusern der Hobbyjäger. Ein lukrativer Nebenverdienst, bei dem schnell klar wird, weshalb die rund 360.000 Hobbyjäger in Deutschland alles daran setzen und sogar zahlreiche Lobbyisten damit beauftragen, um in der Öffentlichkeit für Verständnis und eine ’Heile Welt’ zu sorgen“, sagt Kirsch. Er bezeichnet die Heuchlerei der Jäger als eine der größten Schweinereien in der menschlichen Geschichte. Dabei muss man sich noch vergegenwärtigen, dass fast die Hälfte der Tiere, die der Jagd zum Opfer fallen, überhaupt verwertet wird. Ein überwiegender Teil, wie bspw. Füchse, Marder und das übrige „Raubzeug“ werden einfach entsorgt.

Ganze Wirtschaftszweige hängen an der Hobbyjagd

Ganze Wirtschaftszweige sind zwischenzeitlich aus der Hobbyjagd entstanden und werden von den größtenteils „ehrenamtlichen“ Grünröcken betrieben. „Das fängt im Kleinen an, wo Wild im Bekanntenkreis verkauft wird und endet bei hochprofessionell organisierten und betriebenen Jagdbetrieben, die Feinkostläden und Restaurants ganzjährig mit Wildbret beliefern“, sagt Kirsch. Wildpastete, Hirschgulasch und Rehbraten sind nur einige Beispiele für die Angebote. Der Deutsche Jagdverband gibt dazu den Jägern noch Tipps für die Vermarktung der Waren. Kaum ein Jäger hat nicht ein eigenes Kühlhaus, in dem er die erlegten Tiere einlagern kann.

5-6 Millionen Tiere müssen pro Jahr in unseren Wäldern ihr Leben lassen

5-6 Millionen Wildtiere in Deutschlands Wäldern müssen teilweise qualvoll ihr Leben lassen, damit Jäger ihrer Psyche Genüge tun und die „ökologische Fleischproduktion“ floriert. Neben der eigentlichen Jagd haben sich zahlreiche Wirtschaftszweige etabliert: Spezial-Agenturen, die für teuer Geld Jagdreisen anbieten, Jagdhotels, die Abenteuerurlaub mit Ausflügen und Abschussgarantie versprechen, Zubehörausstatter, Bekleidungsindustrie, Waffenindustrie und, und, und … Die Liste derer, die mit der ehrenamtlichen Weidmännigkeit wirtschaftlich verbunden sind, lässt sich beliebig erweitern. Hinzu kommen diejenigen, die an den Pachten kräftig verdienen. „Schnell kommt man da auf einen Markt, in dem auf dem Rücken der Millionen wehrlosen und getöteten Wildtiere Milliarden umgesetzt werden“, so Kirsch.

Der Hobbyjagd ein Ende setzen und Berufsjäger einsetzen

„Der Hinweis, dass die Jagd ein historisch gewachsenes Nutzungsrecht des eigenen Grund und Bodens ist, ist nicht ausreichend, wehrlose Tiere zu töten. Insbesondere dann nicht, wenn das Nutzungsrecht sich in der Verpachtung des Reviers im Interesse einer sportlich, freizeitorientierten Jagdausübung erschöpft“ so der Jurist und Tierschützer Kirsch. Überall dort, wo keine Freizeitjäger in der Natur tätig sind, gibt es eine blühende und reichhaltigere Biodiversität. Die derzeitige Jagd bezweckt primär eines: Psychen zu befriedigen und Kasse zu machen.

Der Deutsche Tierschutzbund im Saarland fordert daher, dem Hobby-Millionengeschäft und der angeblichen „Hege und Pflege“ ein Ende zu setzen, die Jagd neu zu reformieren, diese einzuschränken und Berufsjäger einzuführen.

Saarbrücken, den 11.02.2014

Pressedienst Deutscher Tierschutzbund, Landesverband Saarland (11.02.2014 15:29 Uhr)
presse@tierschutzbund-saarland

 


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