„Golfst Du noch oder jagst Du schon!?“ Drucken E-Mail


Ausrichter der Jagdmesse „AnJa“ in Saarbrücken stellen Lifestyle, Abenteuerlust und Freizeitvergnügen in den Vordergrund und vergessen, dass es sich um Tötung von Tieren handelt

 

Heute um 10.00 Uhr öffneten in Saarbrücken auf dem Messegelände die Pforten der Verbraucherausstellung „Angeln und Jagen“.  Vom 24.-26. Januar gibt es dort  alles „für Naturfreunde, Angler, Jäger und Outdoor-Begeisterte“ wie der Veranstalter verspricht. Nach Ansicht des Deutschen Tierschutzbundes, Landesverband Saarland verniedlicht die Messe die Jagd auf Wildtiere. Sie stellt Lifestyle, Abenteuerlust und Freizeitvergnügen in den Vordergrund und vergisst dabei ganz, dass es um die willkürliche und sinnlose Tötung von zahlreichen Tieren geht – just for fun.

Rehkitze schießen für 40 Euro

Bei Tierschützern stehen seit langem solche Verbraucherausstellungen in der Kritik, weil sie versuchen, der Öffentlichkeit die Jagd auf Wildtiere schmackhaft zu machen und die Abenteuerlust mancher Jagdenthusiasten zu stillen. „Die Verkaufsausstellung für „Angler, Jäger und Naturfreunde“ bietet den Jagdenthusiasten nicht nur das entsprechende Zubehör für ihr Hobby. Da werden auch schon mal Gesellschaftsjagden von speziellen Agenturen angeboten, bei denen man für entsprechendes Geld Tiere erlegen kann. An erster Stelle stehen Auslandsjagden. Aber auch im Inland bieten Jagdhotels oder Agenturen die Jagd auf das heimische Wild an. Da kann man schon einmal für 250 Euro einen kapitalen Keiler oder auch für 40 Euro ein Rehkitz erlegen – teilweise auch ganz ohne Jagdschein“, kritisiert Kirsch. Auch im Saarland gäbe es sogenannte Jagdhotels, die solche Jagden als Freizeitangebot anbieten. „Hier geht es nur noch um die Lust am Töten, um Spaß, Prestige und den gesellschaftlichen Event!“ sagt der Tierschützer. „So etwas hat mit dem Ursprung der Jagd nichts mehr zu tun. Jegliche Ethik bleibt auf der Strecke. Spätestens hier dürfte klar sein: Es geht nur noch um den Spaß und die Lust an Töten!“

Der Jagdsport erlebt in den letzten Jahren einen ständigen Zuwachs. So verdoppelte sich die Anzahl der Anmeldungen zur Jagdausbildung nach Angaben des Trendmagazins „Update“ im Jahre 2010 von 9.656 Personen auf über 22.500. Die neuen Jäger sind durchschnittlich Mitte 30, überwiegend ledig und in Dienstleistungsberufen tätig. Anders als die Vorgänger-Generation kommen die Neojäger meist aus der Stadt. Und mit knapp 20 Prozent war der Frauenanteil noch nie so hoch wie heute.

Jagdmesse nicht für die Öffentlichkeit zugänglich machen

„Es ist klar, dass für diejenigen unter den Jägern, die die Jagd ernsthaft und mit Gewissen ausüben und letztlich nur kranke und verletzte Tiere vom Leiden erlösen, auch ein Zubehörmarkt für die Ausübung ihrer Aufgabe geben muss. Allerdings sollten diese speziellen Ausstellungen nicht offen für Jedermann sein“, kritisiert Kirsch – zumal damit nur eine Nische von insgesamt 3.500 Jägern im Saarland bedient werden. Er fordert daher, solche „Verbrauchermessen“ nur für ausgewiesene Jäger und nicht für die breite Öffentlichkeit zu öffnen. Vor allem sollte von solchen Abartigkeiten unter den ausgestellten Waren und Dienstleistungen abgesehen werden, die aufzeigen, wie Tiere unter dem Deckmantel der „Hege und Pflege“ sinnlos gequält oder getötet werden können. „Jeder soll seine Freizeit nach seinen eigenen Vorlieben gestalten können, aber bitte nicht so, dass er eine Blutspur hinterlässt und empfindsame Mitlebewesen leiden beziehungsweise zum Opfer werden!“.

„Jagst Du noch oder golfst Du schon“, so sollte der neue und abgewandelte Slogen einer verantwortungsvollen, umweltbewussten und tierfreundlichen Generation lauten. Eine junge Generation von Unternehmern, Machern und Managern, die nicht Zen-Seminare und Selbstfindungskurse links liegen lässt aber auch auf die Pirsch geht – allerdings ohne Gewehr und den Vorsatz, Tiere zu töten oder zu quälen.

 

Quelle:

Deutscher Tierschutzbund - Landesverband Saarland
Werner Kirsch  |  Tel.: 0172 680 7484  |  Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

 


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