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Für Kirchenvertreter und andere Gläubige

 

JESUS UND DIE ARMEN
 
Du bist gestorben, lieber Bruder Christ,
Wo aber sind die, für die du gestorben bist?

Du bist gestorben für aller Sünder Not,
Aus deinem Leibe ward das heilige Brot,
Das essen sonntags die Priester und die Gerechten,
An deren Türen wir Hungrigen fechten.
 
Wir essen dein Brot der Vergebung nicht,
Das der fette Priester den Satten bricht;
Dann gehn sie, verdienen Geld, führen Krieg und morden,
Keiner ist durch dich selig geworden.
 
Wir Armen, wir gehen auf deinen Wegen
Dem Elend, der Schande, dem Kreuz entgegen,
Die andern gehen vom heiligen Nachtmahl heim
Und laden den Priester zu Braten und Kuchen ein.
 
Bruder Christ, du hast vergebens gelitten –
Gib du den Satten, um was sie dich bitten!
Wir Hungrigen wollen nichts von dir, Christ;
Wir lieben dich bloß, weil du unser einer bist.
 
                      (Hermann Hesse, 26.11. 1929)


 
VATER UNSER
 
Unser Vater, gedenke auch unserer älteren Schwestern und
Brüder, der Tiere. Erneuere zu ihrem Schutz mit Nachdruck Dein
altes Gebot des sechsten Schöpfungstages, der Mensch solle essen
von den Pflanzen des Feldes, aber nicht von den Tieren. (Gen.
1.29-30)
Verbiete dem Menschen, Tiere zu töten, um sie zu essen. Denn
auch sie sind fühlende Wesen, auch in ihnen wohnt die
Sehnsucht nach Leben; unsere Weggefährten sind sie auf dem
gemeinsamen Weg zur Unsterblichkeit.
Solange die Menschen Tiere töten, werden sie auch Kriege
führen. Solange Menschen Tiere essen, werden sie ihre
unschuldigen Opfer zu Tode quälen, zu Hunderttausenden in den
Labors und Massenzuchtanstalten, zu Millionen in den
Schlachthöfen der Städte, zu Myriaden in den Weltmeeren.

Ihr Blutstrom darf nicht länger mehr als Nahrung dienen, ihr Leib
nicht länger mehr als Rohstoff, ihr Leben nicht länger mehr als
Lebensmittel für uns Menschen.
 
Verbiete uns, Herr, das tägliche Fleisch.
Das tägliche Brot gib uns heute.
 
                                   (Eugen Drewermann)
 


DER BRUDER DES GAUTAMA BUDDHA

Ein Käfer wanderte mühsam im Sand.
Der Pilger Buddhas sah ihm nach,
er schlug das Hakenkreuz mit der Hand
und sprach:

"Der Erhabene segne deinen Pfad,
mein kleiner Bruder im Lebensrad."
Da kam ein König des Wegs daher,
der den Käfer trotzig zertrat.

 Der Pilger Buddhas sah den König an:
"Du Knabengeist in einem Mann,
wer ist mehr,
du oder der Käfer im Staube?
Hierin ist Weisheit, Liebe und Glaube.
Denkst du, dass Brahma dich einst erkennt,
wenn dich kein Größerer seinen Bruder nennt?

Kein Meister bietet dir seine Hand,
eh du nicht im Kleinsten den Bruder erkannt.
Hierin ist Weisheit, Liebe und Glaube.
Du gekrönter Narr, schau her:
Du und ein Tier im Staube -
wer ist mehr?
Gautama nannte es Bruder -
bist du größer als er?"

Der König im Staub der Straße stand
und der Käfer, die Flügel im Licht gespannt,
flog ins Sonnenland
zu dem, der ihn seinen Bruder genannt.

Nur Bruderhände ziehn dich hinan
Stufe um Stufe zum Devachan.
 
                           (Manfred Kyber)
 
 

DER GEWEIHTE DES GRALES
 
Alle Tiere sind Gotte Geschöpfe -
bringe ihnen der Liebe Gral
und tilge von deiner entweihten Stirne
der Menschheit blutiges Kainsmal.
 
Alle sind deine Brüder und Schwestern,
mit dir in die Kette der Dinge gereiht.
Erst wenn das letzte Geschöpf befreit ist,
bist du, Befreier, selber befreit.
 
Über allem, was atmet, halte schirmend,
Geweihter des Grales, deinen Schild.
In allem, was atmet, bist du und dein Leben,
und Gottes Ebenbild.
 
                           (Manfred Kyber, 1918)

 


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