Drohanruf von Jäger Drucken E-Mail


Nachdem Jörg Binder einen Drohanruf auf seinem Anrufbeantworter von einem Jäger erhalten hat (hören Sie hier die MP3-Datei), hat sich Herr Binder in einem Offenen Brief an den Landrat des Kreises Kusel gewandt. Auf Grund des Drohanrufes ermittelt inzwischen die Polizei. 

Lesen Sie hier den Offenen Brief:


Landrat
Dr. Winfried Hirschberger
Kusel

07.05.2013

 

Offener Brief


Sehr geehrter Herr Dr. Hirschberger

ich bin ein engagierter und interessierter Bürger. Besonders das Leben und Wohl der Tiere liegen mir sehr am Herzen. Ich bezeichne mich selbst als „Tierrechtler“ und bin bekennender Jagdgegner.

Dass die Abschaffung der Jagd in den nächsten Jahren kommen wird, bezweifele ich. Es wird aber einige Änderungen geben müssen. Die Zahl der Kritiker, auch aus den Reihen der Jäger, steigt kontinuierlich. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die die Zusammenhänge der Natur erklären und damit die tier - und naturschutzfachliche Sinnlosigkeit der Jagd beweisen, häufen sich.

Seit über einem Jahr dokumentiere ich Verstöße und Vergehen von Jägern gegen geltendes Recht, z.B. die Kirrverordnung, und entdecke fortlaufend illegale Fütterungen. Alte, von Jägern genutzte Einrichtungen vergammeln und liegen als Sperrmüll im Wald. Auch diese Missstände habe ich dokumentiert.

Meine Kontakte zur Unteren Jagdbehörde (Herr Heyd) und dem Kreisjagdmeister (Herr Klinck) sind sehr gut. Beide reagieren sofort auf meine Anliegen und kümmern sich um die Angelegenheiten. Das Ganze hat jedoch auch einen Haken: prinzipiell müssten sie sich um die Missstände in ihren Revieren kümmern, argumentieren aber, dass ihnen dafür die Zeit und die Leute fehlen würden. Für sie ist mein engagiertes Handeln also sehr praktisch, kann man mich so als „Buhmann“ hinstellen, sobald sie auf meine Anliegen reagieren, ja reagieren müssen. Die Jäger selbst projizieren sodann ihren ganzen Unmut auf mich. Und hier möchte ich noch einmal betonen, dass es darum geht, dass ich illegales Verhalten aufdecke, also Gesetzesverstöße, diese an die zuständige Behörde weiterleite zwecks Richtigstellung. Ich mache nicht von meinem Recht Gebrauch, die Missstände strafrechtlich anzuzeigen, wie es mir auch möglich wäre. Mir geht es lediglich darum, dass die Missstände behoben werden.

Seit kurzem bin ich auch in Kontakt mit Herrn Blind von der Kreisverwaltung, der für illegale Müllentsorgung zuständig ist.

Warum ich mich nun aber an Sie wende, verdeutlicht nachfolgendes Erlebnis besonders eindringlich: durch mein Engagement bin ich den Jägern ein Dorn im Auge. Dessen bin ich mir bewusst. Ich habe immer mit „offenen Karten gespielt“, um auf die Probleme hinzuweisen. Nun geschah folgendes: nachdem ich wieder einmal eine illegale Fütterung und Sperrmüll im Wald gefunden hatte und es an die Behörden weitergab, bekam ich einen anonymen Drohanruf. Sehr wahrscheinlich handelte es sich um einen Jäger.

Er sprach mir, dankenswerterweise, auf meinen Anrufbeantworter und ich kann nun anhand seiner Stimme und durch die sehr detaillierte Ortsangaben ohne Problem herausfinden, wer es war. (Ich solle mich nicht mehr in den Revieren Glanbrücken, St. Julian oder Offenbach blicken lassen, sonst passiere etwas!). Im Anhang finden Sie eine „Video-Aufnahme“ meines Anrufbeantworters, damit Sie es sich selbst anhören können. Er drohte mir mit körperlicher Gewalt und Sachbeschädigung. Meine Anzeige bei der Polizeiinspektion in Lauterecken wurde sehr ernst genommen.

Im Grunde gehen mich diese Angelegenheiten nichts an und es bräuchte mich nicht zu interessieren, was diese bewaffneten „Naturschützer“ so treiben. Aber wer kümmert sich wirklich um diese Angelegenheiten im Kreis Kusel? Der Tierschutzverein hat vordringlichere Sorgen. Die Landwirte und die Gemeinden denken häufig nur an ihre finanziellen Vorteile durch die Jagd (Entschädigung und Pachtzins), deshalb halten auch sie schön still und drücken beide Augen zu.

Der „normale“, uninteressierte Spaziergänger oder Wald- und Grundstücksbesitzer erkennt oft die Probleme nicht, denn wer weiß schon, dass z.B. Futterkisten seit 2005 verboten sind? Die Jagdbehörde hat alle Hände voll zutun und Herr Heyd hat schon aus zeitlichen und personellen Gründen keine Möglichkeit, selbst Kontrollen durchzuführen. Wer bleibt dann noch übrig?

Dass diese dokumentierten, illegalen Fütterungen keine Bagatellen sind, bestätigte mir Herr Dr. Stadtfeld persönlich. Er ist Jäger und Vorsitzender des rheinland-pfälzischen Tierschutzbeirats. Der Beirat fordert eine sofortige Abschaffung der Kirrungen, weil landesweit das Kirren missbraucht wird, um die Wildtiere zu füttern und dadurch die Wildtierpopulationen zunehmen. Ein Bericht darüber war vor kurzem in der Rheinpfalz.

Die Situation im Kreis Kusel ist nun so angespannt, dass ich der Meinung bin, dass auf politischer Ebene reagiert werden muss. Ich bin nicht bereit, meine Gesundheit aufs Spiel zu setzen, weil viele Jäger nicht „Manns genug“ sind zuzugeben, dass sie falsch handeln und ihr Verhalten ändern müssen.

Bitte setzen Sie sich in Erfüllung der Ihnen gesetzlich zukommenden Vollzugsaufgaben mit allen Möglichkeiten ein, um eine kreisweite Verbesserung zu erreichen. Setzen Sie das Thema auf die Tagesordnungen Ihrer Sitzungen.

Mit freundlichen Grüßen,

Jörg Binder

 


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