Zur Diskussion um Fuchsschonzeit und Räude im Saarland Drucken E-Mail


von Mario Natale

Revierförster, Dipl.-Ing. (Forstwirtschaft)

 

Nach den ersten zielgerichteten Thematisierungen von Einzelfällen der Wildkrankheit Fuchsräude erhebt die Vereinigung der Jäger des Saarlandes (VJS) zwischenzeitlich erstmals sehr konkret mit dieser Begründung die öffentliche Forderung nach Aufhebung der Schonzeit für Füchse. Den in unseren Kreisen aktiven Fachleuten erscheint dies zwar inhaltlich eigentlich nur noch wenig beachtenswert, da diese in Wirklichkeit rein jagdpolitisch motivierte Forderung nachhaltig jegliche Erkenntnisse um Jagd, Wildbiologie, Wildkrankheiten und Ökologie schlicht weiter ignoriert. Wir möchten daher hier gar nicht auf die fachlichen Einzelheiten eingehen und etwa unsere Gegenargumente präsentieren.
 
Beachtenswert ist der elementaren Punkt, der im Grunde eine Würdigung und Abwägung der speziellen fachlichen Argumente von vornherein erübrigen muss: Durch Bejagung des Fuchses wurde und wird keine einzige Krankheit jemals bekämpft! Diese Aussage kann übrigens allgemein auf alle anderen Wildtierarten und Wildkrankheiten übertragen werden (z.B. Schweinepest). Dass eine Bejagung zudem nicht nur wirkungslos, sondern vorliegend sogar kontraproduktiv wäre, gehört bereits in den Bereich fachlicher Auseinandersetzung, welche hier nicht geführt werden soll. Die Erkenntnis über die angesprochene Wirkungslosigkeit der Jagd im Hinblick auf Wildkrankheiten-Bekämpfung gilt indes als unumstritten (z.B. auch bei den Fuchskrankheiten Tollwut und Fuchsbandwurm, die nur medizinisch bekämpft werden können). Im Hinblick auf die aktuell festgestellte Fuchsräude ist der Nachweis der Wirkungslosigkeit sogar bereits im Vorfeld längst erbracht: Die aktuellen Krankheitsfälle entstanden schließlich nicht unter mangelhafter Bejagung, sondern im Gegenteil unter bundesweit intensiver und dennoch wirkungsloser Fuchsjagd (600.000 bis eine Million Füchse inkl. Dunkelziffer jährlich!). Diese Erkenntnisse können Fachbehörden bestätigen und müssen daher als elementare Entscheidungsgrundlage berücksichtigt werden.

Die Schonzeitdiskussion kann – und sollte daher – unter Bezug auf vorgenannte Erkenntnis endlich beendet werden. Wir sehen hierbei die Landesregierung zur Positionierung unter Berufung auf Artikel 59 a der Verfassung des Saarlandes verpflichtet. Eine Entscheidung - wie von ministerieller Seite angekündigt – bis zum Jahresende aufzuschieben und damit eine Aufhebung der Schonzeit zur Bekämpfung unbedeutender Krankheitsfälle schwebend der Jägerschaft in Aussicht zu stellen erscheint nicht begründet. Es erschiene uns zudem dem Image der Landesregierung kaum abträglich, wenn diese sich klar zur eigenen Verfassung bekennen und damit Artikel 59 a Absatz 3 SVerf aktiv vorleben würde („Tiere werden als Lebewesen und Mitgeschöpfe geachtet und geschützt.“) Der Verfassungsrang des Tierschutzes verlangt schließlich, dass jegliche Schranken der Tierrechte wohl nachzuweisen sind und nicht etwa die Beweislast wie bisher umgekehrt dem Tierschutz obliegt. Die Hobbyjagd und insbesondere die ausgeuferte Spaßjagd auf Füchse haben im Übrigen diesen ausdrücklichen Verfassungsrang nicht. Unsere in diesem Zusammenhang allgemein bestehende Forderung nach genereller Abschaffung der Fuchsjagd möchten wir mit diesem Schreiben nicht in den Vordergrund stellen. Zunächst möchten wir erreichen, dass endlich die schädliche Diskussion um Abschaffung der Schonzeit beendet wird, da die Forderung ausschließlich dem Freizeitvergnügen der Hobbyjäger in einer ansonsten für diese überwiegend jagdfreien Zeit dienen soll (Aufzuchtzeiten). Wenn schon keine Notwendigkeit der Fuchsjagd bisher nachgewiesen ist (wozu auch die Fuchsräude nicht beitragen kann), dann stellt die Gewährung eines Mindestschutzes durch Schonzeiten eine sich aus Art. 59 a SVerf resultierende Minimalforderung dar. Wir regen aber dennoch gerne an eine generelle Abschaffung der Fuchsjagd mit abzuwägen.

Am Rande möchten außerhalb unserer fachlichen Kernkompetenz auf einen weiteren Zusammenhang hinweisen: Die aktuelle Diskussion um eine elementare Minimalforderung des Tierschutzes (Schonzeiten für alle Tiere) und die in diesem Zusammenhang von Jägerseite strategisch erzeugte Angst vor Krankheiten in unserem Land schaden nicht unwesentlich auch dem allgemeinen Image des Saarlandes nach innen wie nach außen. Uns erschiene es paradox, wenn das Saarland aktuell die Bereitschaft bekräftigt, Beträge in Millionenhöhe für eine Imagekampagne zu investieren, aber gleichzeitig die schädliche Diskussion und Panikmache durch Hobbyjäger tolerieren würde, obwohl diese leicht durch Positionierung unter Berufung auf die Verfassungsvorgabe zu beenden ist.

Wir weisen auch darauf hin, dass unsere Forderung keineswegs beinhaltet, nicht heilbar leidenden Tieren eine finale Tötung zu verwehren. Hierfür bestünde ggf. ja ohnehin jederzeit ein entschuldbarer Rechtfertigungsgrund. Die jagdpolitische Forderung der Jäger bezieht sich hingegen jedoch auf kerngesunde Tiere. Den aktuell nach eigenen Angaben der Jägerschaft  festgestellten 20 Räudefällen (die dabei teilweise nur geringgradig und somit sogar noch von selbst heilbar ausgeprägt sind) stehen im Saarland jährlich ca. 3.000 bis 5.000 kerngesund getötete Füchse entgegen. Um diese Zahlen geht es den Jägern auch aktuell. Damit dürfte verdeutlicht sein, dass die Hobbyjägerlobby mit der aktuellen Diskussion keineswegs Tierschutzziele verfolgt.

 

 


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