„Der Wald dient Erholungszwecken.“ Drucken E-Mail


Diesen Satz haben wir uns nicht selbst ausgedacht - wir haben ihn im Landeswaldgesetz von Rheinland-Pfalz gefunden. Da steht noch mehr, durchaus Begrüßenswertes, über die vielfältigen Funktionen des Waldes. Bleiben wir aber erst mal beim Erholungszweck und machen uns auf einen Spaziergang durch rheinland-pfälzische Wälder und Fluren. Wir beginnen bei einer kleinen Gemeinde im Kreis Kusel.

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Dies sind die Folgen der Willkür, Gedankenlosigkeit oder Gleichgültigkeit der Hobbyjäger. Solche Bilder gehören hoffent-
lich bald endgültig der Vergangenheit an.

 

Bei einer etwa einstündigen Wanderung kann von Erholung im beschaulichen Wald keine Rede sein. Sie wird immer wieder jäh gestört. Wodurch? Sehen sie selbst: Statt vieler Worte – lieber einige Bilder (links).

Im Umfeld „Jagdlicher Einrichtungen“ – so werden die Plätze im Behördenjargon genannt, an denen die Jäger ihre Hochsitze und sonstige Einrichtungen aufbauen –, finden sich oftmals erhebliche Müllansammlungen. Trotz sogenannter „Dreck-Weg-Tage“ bei denen umweltbewusste Menschen (und oftmals sind Kinder dabei) den Wald säubern, bleiben diese Stellen unangetastet. Die Hinterlassenschaften von Spaziergängern werden beseitigt, aber die Müllansammlungen von Jägern werden als gegeben hingenommen, ja gar nicht als Müll wahrgenommen. Es herrscht die Meinung vor, dass „die das ja dürfen“. Wird bei einem Hochsitz z.B. noch Dachpappe, Styropor und anderes Baumaterial gefunden herrscht die Meinung vor, dass die Jäger da ja wohl noch brauchen und die Materialien dort liegen dürfen.
Falsch! Vor dem Gesetz und den entsprechenden Verordnungen gilt das, was sie auf den Bildern sehen, ebenfalls als Müll. Der Gesetzgeber verbietet solches „Mobiliar im Wald“ und das lagern von Baumaterialien. Baufällige und bereits zusammengebrochene Hochsitze gelten gleichsam als Müll.

Erlaubt sind Hochsitze, korrekt eingerichtete „Kirrstellen“ und Salzleckstellen – mehr nicht.

Wir nennen den Namen der Gemeinde nicht, deren Waldungen die gezeigten schaurigen Bilder bieten. Es wäre unfair, eine Gemeinde ausdrücklich anzuprangern. Denn die Gesamtsituation ist landesweit ähnlich. Überall bietet sich das gleiche Bild.

Doch halt! Landesweit? Überall?

In der Ortsgemeinde Medard finden sie keinen jagdlichen Müll. Wie kommt das?

Es gibt hier neue Jagdpächter, aus den Niederlanden übrigens. Sie haben den kompletten Müll, den gesamten Schrott, verbotene und vorsichtshalber auch zweifelhafte „Kirrungen“, alles was stört und Spaziergänger sowie Wildtiere gefährden könnte, weggeschafft.
Sie haben das freiwillig getan, es war nämlich nicht ihr Müll, sondern die Hinterlassenschaft von etlichen Vorgängern in der Jagdpacht. Unseres Wissens nach wurden sie auch nicht angezeigt. Sie lesen richtig: die neuen Pächter haben vorbildlich das in Ordnung gebracht, was andere massiv über Jahrzehnte versaut hatten, aus Gleichgültigkeit der Natur, den Mitmenschen und den Gesetzen gegenüber. Hier noch einige Bilder:

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Weitere Jagdpächter aus dem nördlichen Kreis Kusel haben ebenfalls schon reagiert und sind dem Beispiel gefolgt. Sie haben die Zeichen der Zeit erkannt und wissen, dass die Jagd, so wie sie sich momentan darstellt, nicht mehr so ohne weiteres von allen Teilen der Bevölkerung akzeptiert wird. Auch wenn der Gesetzgeber - gemäß häufig verwendeter Argumentation der Jäger - das Töten von z.B. Haustieren, Füchsen und Feldhasen erlaubt, gibt es dennoch Jäger und Jagdverbände, die so etwas ablehnen (Ökologischer Jagdverband).

Illegale Kirrungen, Fütterungen und Vermüllung durch jagdliche Einrichtungen (und sind sie noch so alt) dienen nicht dazu, die bestehenden unterschiedlichen Sichtweisen zu überbrücken.

Es wäre schön, wenn wir bald sogar berichten könnten: „Kreis Kusel macht Schule“ weil dem Beispiel der medarder Jagdpächter kreisweit gefolgt würde. Wir wissen, dass Jagdpächter keine Pflicht trifft, etwas anderes als das Ergebnis eigenen Handelns zu bereinigen, letztlich ist der jeweilige Eigentümer der Grundfläche verantwortlich.

Aber: Für die Durchsetzung der einschlägigen Gesetze, z.B. Kreislauf/ Abfallwirtschaftsgesetz, Bodenschutz usw. sind die Landräte verantwortlich. Wie steht`s damit? Ein Landrat, der sich betroffen fühlt, weil wir ihm die Vermüllung der Gemarkung als Versäumnis vorwerfen, ist auch gemeint. Und es komme uns keiner damit, die jagdrechtliche Regelung sei hier nicht ganz klar. Wir brauchen das Jagdrecht nicht. Abfallrecht und allgemeines Polizei- und Ordnungsrecht bieten Handhabe genug; man muss die Vorschriften nur kennen und bereit sein, den Willen des Gesetzgebers ernst zu nehmen und die Vorschriften auch anzuwenden, notfalls durchzusetzen. Dafür haben wir eine Verwaltung.

Wir hoffen übrigens, dass die medarder Jagdpächter jetzt nicht von Kollegen auch noch schief angeblickt oder gar als „Nestbeschmutzer“ angesehen werden, weil ihnen von uns, also der anderen Seite sozusagen, Lob und Anerkennung gezollt wird. Aber: die Medarder haben die Anerkennung verdient. Und zwar von allen.

Wir werden schauen, wer sich in diesem Punkt vom positiven Beispiel noch anfeuern und mitreißen läst und hoffen, bald berichten zu können, dass der gesamte Kreis Kusel vorbildlich reagiert und handelt!
 


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